Landesfahrten

"TYPISCH FRANKEN"

Bayerische Landesausstellung 2022

Über den Beitrag

"Typisch Franken"

Landsefahrt 2022 nach Ansbach

Wo

2022 Ansbach

Wann

1. Oktober 2022

- Heftausgabe Dezember 2022

"Typisch Franken"

 

Was ist "TYPISCH FRANKEN"

Die Antworten finden wir in der Landesausstellung in Ansbach - "TYPISCH FRANKEN"

xxTypisch Franken

Bericht und Bilder von Dr. Ute Köhler

Bevor ich mit einem Bericht über die diesjährige schon traditionelle Jahresfahrt des Bürger- und Geschichtsvereins zur Landesausstellung nach Ansbach beginne: Hand auf’s Herz? Was ist für Sie typisch fränkisch?

Haben Sie nachgedacht? Später werden wir genauer auf diese Frage eingehen. Es fanden sich wieder interessierte Mögeldorferinnen und Mögeldorfer zur Abfahrt nach Ansbach, der früheren Residenzstadt des Markgraftums Brandenburg-Ansbach, ein. Einige fehlten wohl krankheitsbedingt, was sehr schade war. Die Ausstellung findet im barocken Orangeriegebäude aus dem 18. Jahrhundert im markgräflichen Hofgarten statt. Einbezogen wird auch die ehemalige Hofkirche St. Gumbertus, die nur etwa 500 Meter von der Orangerie entfernt liegt.

Zurück zu meiner Eingangsfrage. Die Antwort, die man im Internet auf der Seite der Bayerischen Landesausstellung finden kann, lautet:

Bratwurst, Fachwerk, Dialekt, Kirchweih, Wein oder Bier – das sind wohl die Antworten, die am häufigsten genannt werden. Doch was ist Klischee und was die Wirklichkeit? Zahlreiche Exponate sowie Medien- und Mitmachstationen beleuchten das Besondere an Franken. Auf einer fesselnden Zeitreise entdecken die Gäste das geschichtliche und regionale Franken von den Reichsstädten über die Reichsritterschaften bis hin zu Markgrafentümern und geistlichen Hoch- und Fürststiften. Sie treffen auf Schwanenritter und vornehme Kurgäste, mächtige Bischöfe und verliebte Markgrafen, aber auch auf ausgefuchste Räuberinnen und standhafte Städterinnen.“1)

2)Die Grafik zeigt das Plakat, das für die Ausstellung wirbt. Ein stilisiertes „F“ steht wohl für Franken. Die drei Figuren sollen die drei fränkischen Regierungsbezirke darstellen. Ober-, Mittel- und Unterfranken. Na ja, die Elsbeth Tucher (1473–1517) von Albrecht Dürer haben Sie ja sicher sofort erkannt! Immerhin war ihr Bild lange Zeit auf dem 20-DM-Schein zu sehen.

In der Orangerie hatten wir in kleinen Gruppen eine Führung durch die Ausstellung, die in Form einer Zeitreise durch Franken verschiedene Schwerpunkte setzt. Markgräfin Charlotte, die Mutter des ersten Markgrafen, ließ den Hofgarten nach französischem Gartenideal umgestalten und für die frostempfindlichen Zierpflanzen ein Gebäude errichten. Aber nicht nur die Pflanzen sollten gehegt werden, es sollten auch opulente Sommerfeste in den Räumlichkeiten stattfinden. Heute werden die Räumlichkeiten für Festakte oder z. B. für die Ansbacher Bachtage genutzt.

Aber zurück zur Ausstellung. Hier einige Impressionen – die Ausstellung ist in verschiedene Schwerpunkte gegliedert.

Das sog. „Franken-Karussell“ versuchte schon typische Objekte zu zeigen, die man mit Franken verbindet: u. a. Lebkuchen, Bratwürste, Bocksbeutel, Albrecht-Dürer-Haus, Fastnacht in Franken. Besonders angetan hat es mir eine fränkische Ausgabe von Asterix und Obelix „Dour de Frangn“.

Schon immer fanden Monarchen Freude an asiatischen Einrichtungsgegenständen. Auch Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, die Schwester von Friedrich I., genannt „der Große“ ließ sich 1745 den berühmten Felsengarten Sanspareil im chinesischen Stil ausstatten, was ein Drache aus diesem Garten als Exponat der Abteilung Exotisches Franken zeigt.

Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, bekannt als der „wilde Markgraf“ war bekannt durch seine diversen Liebschaften, aber auch durch die Falkenjagd. Verheiratet war er mit Friederike Luise von Preußen (1714–1784). Die Ehe – trotz zweier Kinder – war nicht glücklich. Eine wichtige Rolle in seinem Leben spielte daher seine Geliebte Elisabeth Wünsch (1710–1757), der Tochter eines Mühlknechts, mit der er auch Kinder hatte, die er in den Stand derer von Falkenhausen erhob. Der Markgraf hatte zu Lebzeiten die größte Falknerei Europas.

Glücksspiele haben Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen schon immer fasziniert. So kann man eine Lotterietrommel aus dem 18. Jhd. sehen. Als Gewinn bekam man kein Geld ausbezahlt, sondern überschüssige Ware aus der Fayence-Fabrikation. Der Markgraf konnte seinen maroden Haushalt damit gut sanieren, nahm er doch 1.200 Gulden Gewinn ein – zum Vergleich: Ein Arbeiter verdiente in der Porzellanfabrik 20 Gulden im Monat. Obwohl im 19. Jahrhundert evangelische Geistliche gegen das Glücksspiel wetterten und ein Verbot durchsetzen wollten, haben wir bis heute noch Lottoziehungen und andere Glücksspiele.

Typisch Franken

Würzburg war der nächste Schwerpunkt der Ausstellung. Hier sah man das älteste Ausstellungsstück: ein Löwenkopf-Türzieher aus dem Jahre 1040. Genauso interessant ist ein Kruzifix aus Lindenholz, geschaffen von Tilman Riemenschneider (ca. 1515/20) mit vielen Löchern, hervorgerufen vom Holzwurm.

Für uns Nürnberger wieder von großem Interesse ist eine sog. „Doppelscheuer“ – Stammt sie doch aus Nürnberg (ca. 1600 hergestellt). Wir haben im Tucherschloss im Festsaal auch eine solche Doppelscheuer, geschaffen von Wenzel Jamnitzer, Teil des „Tucher’schen Gießgeschirres“ – seinerzeit Hochzeitsgeschenk eines Tucher an seine Braut.

Typisch Franken

Kennen Sie das Sprichwort: „Etwas auf dem Kerbholz haben?“ In der Ausstellung kann man mehrere dieser Kerbhölzer sehen. Sie hatten einen ganz praktischen Sinn. Man nahm ein Kerbholz und kerbte die Höhe der Schulden ein, dann teilte man das Holz – auf der einen Seite wurde der Name des Gläubigers, auf der anderen Seite der des Schuldners geschrieben. Wurde die Schuld beglichen, mussten die beiden Teile des Kerbholzes aneinander gehalten werden und die Schuld konnte ausgekratzt werden.

Typisch Franken

Na ja, die nächste Station ist wohl weniger ehrenwert: Frankens Flöhe. Es muss schon eine Plage gewesen sein – sodass man versuchte mit allerlei Hilfsmitteln sich dieser Parasiten zu entledigen. „Frankens Kleinster“ sollte mittels einer Flohfalle vom Körper ferngehalten werden. Man möchte sich das gar nicht so genau vorstellen …

Das Fichtelgebirge war jahrhundertelang als Steinreiches Franken bekannt. Gold, Zinn, Eisen, auch Speckstein wurde abgebaut. In der gleichnamigen Abteilung der Ausstellung kann man einen Koffer eines Handelsvertreters für Speckstein-Gasbrenner, um 1880 aus dem Fichtelgebirgsmuseum, Wundsiedel sehen.

Typisch Franken

Wer kennt ihn nicht, den Film „Das Wirtshaus im Spessart“, verfilmt mit Lieselotte Pulver. Was im Film ganz romantisch, teilweise humorvoll dargestellt wird, war im 19. Jahrhundert traurige Realität. Raubüberfälle im Spessart des 19. Jahrhunderts waren an der Tagesordnung, was u. a. auch in der aussichtslosen schlimmen Lage von Menschen am untersten Ende der Gesellschaftspyramide lag, von denen einige glaubten, sich nur so am Leben erhalten zu können. So kann man in der nächsten Abteilung Fränkische Langfinger ein Votivbild sehen, das Bürger gespendet hatten, weil sie einen Überfall gesund über-standen hatten.

Typisch Franken

Ein Highlight der Ausstellung ist sicherlich die originale kupferne Radierplatte von Albrecht Dürer aus dem Jahre 1515. Der Meister ist auch heute noch über die Grenzen Nürnbergs / Frankens in der ganzen Welt bekannt. Er war in allen drei Sparten: Malerei, Kupferstich und Holzschnitt ein Meister, ja ein Genie. Er war aber auch ein sehr guter Unternehmer. Immer schon hatte er einen Agenten angestellt, der für ihn auf Heiltumsmessen Holzschnitte verkaufte. Dürer wurde schon zu Lebzeiten steinreich.

Typisch Franken

Natürlich gibt es noch viel mehr zu sehen: Prunkvolle Leuchter, die dem Großherzog Ferdinand III. von Toskana gehörten, der im Jahre 1800 die Würzburger Residenz bezog oder den Schuh, den Max Morlock bei der Fußballweltmeisterschaft 1954 trug.

Bad Kissingen spielt als einstige Kurstadt der Prominenten wie dem Reichskanzler Otto von Bismarck, der ja mit Gicht und Gastritis wegen seines Übergewichts zur Kur kam wie auch das österreichische Kaiserpaar. Hier kann man die „Bismarck-Waage“ sehen, auf der sich der Kanzler öffentlich wiegen ließ.

Typisch Franken

Gerade in den letzten Wochen – hervorgerufen von dem Tod der Königin Elisabeth II. – erinnert man sich an den Hochadel in Franken. Das Coburger Herzoghaus war hier Spitzenreiter auf dem europäischen Parkett des Hochadels, was die europäische Verwandtschaft angeht.

Nach der Ausstellungsführung ging es in die „Windmühle“ und wir stärkten uns bei einem Mittagessen für die nachmittägliche Stadtführung durch Ansbach, eine kreisfreie Stadt in Bayern, die zu Westmittelfranken und der Metropolregion Nürnberg zählt. Ansbach ist mit über 40.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Mittelfrankens. Sie ist Sitz der Regierung und der Bezirksverwaltung von Mittelfranken sowie des Landratsamtes Ansbach.

Typisch Franken

Bei unserem Stadtrundgang besichtigten wir u. a. den zweiten Teil der Landesausstellung: die Gumbertuskirche. Die Fürstengruft mit Grablege der jüngeren Linie der Markgrafen und die berühmte Schwanenritterkapelle sind kunsthistorische Highlights. Wir sahen das Rathaus und hörten die Geschichte von Robert Limpert, der 20-jährig am 18.April 1945 als Widerstandskämpfer hingerichtet wurde, weil er die Telefonleitungen eines aufgegebenen Gefechtsstandes der Wehrmacht in Ansbach gekappt hatte.

Am Schluss unserer Führung konnten wir noch in die Synagoge eintreten, die unauffällig in einer Häuserzeile beheimatet ist. Das hat sie wohl in der Pogromnacht 1938 vor der völligen Zerstörung bewahrt.

Bei immer noch kaltem und regnerischem Wetter suchten einige ein Café zum Wärmen auf, andere nutzten die Gelegenheit die Ausstellung ein zweites Mal zu besuchen und wieder andere besichtigten die Prunkräume der Residenz, die wirklich beeindruckend sind.

Um 17.30 Uhr waren alle wieder im Bus und wir kamen gut und voller Eindrücke wieder in Mögeldorf an. Unser Dank gilt dem Ehepaar Weigert, dass diesen Tag wieder perfekt vorgeplant hatte.


BERICHTSENDE

Heftausgabe Dezember 2022 |

"TYPISCH FRANKEN"

... und dazugehörige Bilder

 Bildergallerie

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Das war "TYPISCH FRANKEN"

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