zurückzurück  | Home | Drucken |

 

Totenschilde in St. Nikolaus und St. Ulrich

Heftausgabe Oktober 2019

  

 

Das ist der Titel einer Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum, die noch bis Januar 2020 läuft. Totenschilde sind Gedenktafeln für verstorbene männliche Mitglieder vornehmer Familien. Ursprünglich waren sie dem Adel vorbehalten, in den Städten wie Nürnberg den Patriziern und den gerichtsfähigen Familien. Das Germanische Museum hat mit 146 Schilden den größten musealen Besitz. Wir kennen die Dekorierung mit den Schilden in der Sebaldus- und Lorenzkirche. Aber auch in unserer Mögeldorfer Kirche finden sich in ihrem westlichen Teil dreizehn Totenschilde von den Familien Dietherr, Groland, Holzschuher, Oelhafen, Forster und einer unbekannten Familie. Alle diese Familien standen in einer Beziehung zu Mögeldorf und durften ihre Verstorbenen hier ehren. Verbunden war das Anbringen von Totenschilden in der Regel mit einer Zuwendung für die Kirche.

  

Die einfachen Schilde sind rechteckige Holzkörper, bemalt mit dem Familienwappen und einer mehrzeiligen Beschriftung. Die meisten Schilde sind plastisch und in üppiger Formgebung gestaltet, haben ein besonderes Schriftfeld und sind mit allegorischen Formen verziert. Im Mittelpunkt steht das Familienwappen.

  

Vier Schilde sollen vorgestellt werden.

  

Auffallend ist die Familie Dietherr mit sechs Schilden, davon an der Südwand drei einfache viereckige Holztafeln, so wie sie nach einem Ratserlass von 1496 Vorschrift waren. Die Dietherrs, als nicht den vornehmsten Familien zugehörig, hielten sich zunächst an diese Verordnung, gestalteten aber dann später doch auch zwei aufwändigere Schilde.

  

Sie wurden in Nürnberg erstmals 1431 erwähnt und zählten zu den ehrbaren Geschlechtern, konnten Ämter besetzen und wurden ab 1509 mehrfach in den Größeren Rat der Stadt Nürnberg gewählt. Der Goldschmiedemeister Jörg Dietherr war ab 1517 Münzmeister im Münzamt der Stadt. 1572 wurde im Kornhaus (Mauthalle) das neue Zollhaus errichtet, die „Obere Waag“. Peter Engelhardt Diethart war dort Zollamtmann. Die Beziehung der Dietharts zur Mögeldorfer Kirche ergibt sich aus ihren Besitzungen in Erlenstegen und Schwaig. Sie nannten sich Dietherr von Anwanden nach ihrem Sitz Anwanden bei Roßtal. Der Totenschild für Peter Engelhardt Dietherr ist der linke an der Südwand (1).

  

Der Totenschild der Holzschuher (8)befindet sich an der Westwand links unten. Die Holzschuher zählen zu den vornehmsten Nürnberger Familien und waren im Inneren Rat der Stadt vertreten. Sie besaßen in Mögeldorf verschiedene Anwesen, so auch das Doktorsschlösschen (neben dem „Doktorshof“ in der Mögeldorfer Hauptstrasse). Das Doktorsschlösschen wurde 1972 abgerissen. An seiner Stelle steht ein Hochhaus.

  

Die Holzschuher waren bei vielen Mögeldorfer Besitzungen Lehens- und Grundherren. Sie traten bei fast allen Hausnummern als Inhaber des Zehents auf. Der Zehent war ursprünglich die Abgabe der Bauern an die Kirche, konnte aber auch verkauft werden, in diesem Fall an die Holzschuher.

  

Der Totenschild der Holzschuher ist in achteckiger Form, wird beherrscht vom Familienwappen, gekrönt von einem rot gekleideten Mohrenrumpf. Darunter zweimal ein Holzschuh und zweimal ein Männerportrait, diagonal angeordnet. Ob es sich um Veit Engelhard handelt, ist nicht sicher. Er taucht aber auf dem Epitaph für seinen Vater Veit in der Reihe der Söhne auf (neben dem Westchor).

 

Der Totenschild der Oelhafen hängt in der Westwand rechts unten (10). Er ist besonders prunkvoll gestaltet. Die Oelhafen besaßen nach den Holzschuhern das Doktorsschloss und waren die Herren in Schöllenbach (heute Ortsteil von Eckental) und Eismannsberg. Obwohl die Oelhafen schon im 15. Jahrhundert als Sekretäre zur kaiserlichen Hofkanzlei gehörten, wurden sie erst 1729 ins Patriziat aufgenommen, konnten jedoch keinen Vertreter in den Inneren Rat entsenden. Aber bereits 1501 durch die Eheschließung mit Anna Pfinzing heiratete Sixt Oelhafen in das Patriziat ein. Das einfache Wappen mit einem goldenen Löwen wurde geteilt. In die Felder zwei und drei wurde das Wappen der Familie Pfinzing eingearbeitet, ein schwarzer Adler in Gold und ein silberner Ring in Rot.

 

Der Totenschild der Familie Forster im Westchor an der Nordwand (11) wurde 1916 in Anlehnung an alte Schilde für den im 1. Weltkrieg gefallenen Arzt Dr. Walter von Forster angebracht. Die Familie von Forster war Besitzer des Messingwalzwerkes in Hammer. In Hammer gab es schon sei dem 16. Jahrhundert ein Hammerwerk, im 18. Jahrhundert von den Familien Volkamer und Forster betrieben. Durch Heirat wurde die Familie Forster Alleinbesitzer und 1816 in den Adelsstand erhoben. Rund 250 Jahre führte die Familie das Werk mit großem sozialen Engagement. 1943 wurde es durch totalen Fliegerschaden zerstört und konnte nicht mehr aufgebaut werden, weil es in der engeren Wasserschutzzone der EWAG lag.

   


 

  Elfriede Schaller | Letzte Änderung 10.10.2019