zurückzurück  Home

 

 


Bürgerverein auf Jahresfahrt nach Gotha
 
Heftausgaben: August 2016

Link zu Imperssionen in Bilder "„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“

 

„Die Ernestiner – eine Dynastie prägt Europa“ – so ist der Titel der Landesausstellung in Thüringen, die dieses Jahr in Gotha und Weimar stattfindet. Eine der bedeutendsten hochadligen Familien Deutschlands, die bis heute die Königshäuser von z. B. Belgien, Schweden und Großbritannien prägt.

 

So begab sich der Bürger- und Geschichtsverein Mögeldorf e.V. am 30. Juli auf seine Jahresfahrt. Die Busfahrt führt durch schöne Landschaften, das sommerliche Grün prägte die Umgebung.

 

Angekommen stand zunächst eine Führung durch die Ausstellung statt. Diese ist im Schloss Friedenstein und im Herzoglichen Museum zu sehen.

 

Im Schloss Friedenstein sind die Themen „Die Ernestiner und die Familie“, damit zusammenhängend „Die Ernestiner und das Land“ zu sehen. Im 2014 neu eröffneten Herzoglichen Museum ist das Themenfeld „Die Ernestiner und die Künste“ zu bewundern. Besonders beeindruckend war das mit funktionierender historischer Bühnentechnik ausgestattete barocke Ekhof-Theater.

 

Hier ein knapper historischer Abriss über die Familiengeschichte.

 

Das Geburtsjahr der Ernestiner ist das Jahr 1485. Die Wettiner, deren Stammbaum etwa bis ins Jahr 1000 zurückgeht, teilten sich aufgrund brüderlichen Zwistes im Rahmen ursprünglich gemeinsamer Regierung in zwei Linien: die ernestinische mit Kurfürst Ernst von Sachsen und die albertinische. Weite Teile von Sachsen und Thüringen mit Wittenberg als Hauptstadt gingen an Ernst, der jüngere Bruder Herzog Albrecht erhielt den östlichen Teil Sachsens mit Dresden als Hauptstadt.

 

Ernst Sohn Friedrich III. der Weise ist – nachdem er sich 1517 hinter den Thesenanschlag Luthers in Wittenberg stellte – als Beschützer und Förderer der Reformation berühmt geworden. Nach Verhängung der Reichsacht sorgte er dafür, dass Luther auftreten konnte, indem er ihm auf der Wartburg und in Wittenberg Sicherheit gewährte. Friedrich der Weise und alle seine Nachfolger standen im Ringen um die Reformation. In diesem Kampf standen sich die beiden wettinischen Linien entgegen: Zwar waren auch die Albertiner inzwischen protestantisch, traten aber unter Moritz von Sachsen im Schmalkaldischen Krieg aus politischen Gründen auf die Seite Kaiser Karls V., mit fatalen Folgen für die ernestinische Linie: In der Schlacht bei Mühlberg 1547 wurde Johann Friedrich der Großmütige, ein Neffe Friedrichs des Weisen, gefangen genommen. Nach fünf Jahren Gefangenschaft wurde er begnadigt, musste aber empfindliche territoriale Verluste östlich der Saale hinnehmen und der dauerhaften Übertragung der Kurwürde auf seinen Erzfeind Moritz von Sachsen zustimmen.

 

Nach 1547 versuchen die Ernestiner alles, um den Machtverlust durch die starke Verringerung des Herzogtums auszugleichen. Schon zu seinen Lebzeiten wird Johann Friedrich als Märtyrer des wahren Luthertums stilisiert. Als Verteidiger tritt im 30-jährigen Krieg Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar an die Seite Gustav-Adolfs.

 

Die Ernestiner prägten ihre Zeit und Gesellschaft durch ihre frühen Residenzen in Weimar und Gotha durch deren Vorbildcharakter. Führend waren sie tätig in den Bereichen Staats- und Bildungswesen sowie in der Sozialfürsorge. Johann Friedrich gründete die Universität Jena und versammelte dort Geistesgrößen aus Wissenschaft und Kunst, u.a. Friedrich Schiller, Fichte, Schelling, Hegel, Karl Marx, Ernst Haeckel und Erwin Schrödinger. Ohne die Ernestiner wäre die Blüte der Weimarer Klassik nicht vorstellbar. Zur politischen Bedeutung im 19. Jahrhundert sei auf ein paar gekrönte Häupter unserer Zeit verwiesen: Elisabeth II. von England sowie König Philipp von Belgien sind direkte Nachfahren der Ernestiner.

 

Nach den interessanten Führungen konnte man bei Thüringer Bratwurst und anderen Speisen im Gasthof „Pagenhaus“, der im Schloss integriert ist, etwas ausruhen, bevor es zur zweiten Hälfte des Besichtigungsprogramms weiterging. Ein Stadtrundgang stand auf dem Programm. Gotha hat nunmehr ca. 40.000 Einwohner (zum Vergleich: nach der Wende waren es noch ca. 60.000). Die Stadt ist eine der ältesten Siedlungen Thüringens. In einer Schenkungsurkunde Karls des Großen wird sie bereits 775 erwähnt. Im Mittelalter gelangte die Stadt u. a. durch den Handel mit Waid (eine Färberpflanze, die blauen Farbstoff liefert), Getreide und Tuchen zu Reichtum. Die Stadt verfügte über ein stehendes Heer, das der Herzog auch anderen Herrschern vermietete. Trotzdem war die Stadt wegen der hohen Ausgaben ruiniert. 1774 kam Konrad Ekhof, der „Vater der deutschen Schauspielkunst“, nach Gotha, wo er seine Idee von einem ständigen Hoftheater verwirklichen konnte. 1785 wurde die Verlagsbuchhandlung Justus Perthes gegründet. Seine herausgegebenen Atlanten und Schulkarten hatten Weltruf – inzwischen ist der Verlag im Schulbuchverlag Klett aufgegangen. 1818 gründete E. W. Arnoldi die erste Handelsschule und drei Jahre später die erste deutsche Feuerversicherung. Der Begriff „Die Gothaer“ ist vielen noch bekannt. So schlenderten wir vom Schloss über die Kaskaden hin zum Hauptmarkt zum Rathaus. Nach den vielen Informationen genossen die meisten noch einen Eiskaffee samt Gothaer Kranz in einem der vielen schönen Cafés . Danach ging es staufrei nach Hause. Wieder hatten wir eine schöne, interessante Jahresfahrt erlebt – dieses Mal mit sommerlichem Flair. Im nächsten Jahr wird die Bayerische Landesausstellung in Coburg stattfinden – wieder traditionell im September.

  

Gotha



Ohne Kommentar




Johann Sebastian Bach ... heute?r




Representanten werben für Stadterneuerung
 
Bilder: F. Schaller - Text: Kö.
Letzte Änderung: