Eine Jugend am Bürgweg

Alfred Walberer erzählt

Meine beiden Großeltern kamen im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts nach Mögeldorf. Die Eltern meiner Mutter waren aus dem Nürnberger Umland und bauten am Bürgweg 26 ein einstöckiges Sandsteinhaus. Um den Hausbau finanzieren zu können beteiligten sich eine ganze Reihe von Verwandten an den Kosten. Diese sollten ihr Geld möglichst bald wieder zurückbekommen. So wurde im Erdgeschoss eine Spezereihandlung eingerichtet, die meine Großmutter, später meine Mutter führte. Dies war ein wesentlicher Hinzuverdienst. Ähnlich handelten auch andere Häuslebauer in Mögeldorf. So gab es in dem kurzen Stück zwischen Waldstraße und Prutzbrücke im Bürgweg und in der Laufamholzstraße sieben Lebensmittelläden, zwei Milchläden, vier Wäschekaltmangeln, zwei Kohlehandlungen, eine Bäckerei, eine Metzgerei und fünf Wirtshäuser. Jedes Wirtshaus hatte eine Gassenschänke. Im Eingangsbereich zum Gastzimmer war ein kleines Fenster in die Wand eingelassen, durch welches das Bier für den Hausgebrauch ausgeschenkt wurde. Meist holte man "drei Quartel"= ein Dreiviertelliter im Bierkrug. Es wurde dabei immer etwas reichlicher eingefüllt und durch die Schaumkrone hatte man das Gefühl einen Liter zu haben.

Bürgweg 26 - Johann Koch, 
Großvater von Herr Walberer

Besonders aufregend ging es in der Gaststätte "Gietl" zu. Wenn man das Glück hatte, dass das Fass gerade leer war, ging Herr Gietl in die Küche, öffnete eine Falltüre und verschwand plötzlich im Erdboden. Kurze Zeit später verschwand der Schanktisch mitsamt dem leeren Fass ebenso geheimnisvoll in der Tiefe, um gleich darauf ebenso geheimnisvoll mit einem vollen Fass wieder zu erscheinen. Das Fass wurde angestochen, der Krug gefüllt und mit den Worten "ein frisches gepflegtes Gietl-Bier" durch das Fenster gereicht. Dann wurde man mit einem "Heil-Hitler" verabschiedet.

Mein Walberers-Großvater kam, wie so viele andere in dieser Zeit, aus der Oberpfalz. Er war Obermüller in der Satzinger Mühle. Besonders beeindruckte mich seine Schilderung, dass der Bademeister vom Flussbad Jobst an heißen Tagen zu ihm kam und ihn bat, er möge doch das etwa 100 Meter weiter östlich gelegene Wehr etwas öffnen, damit er in seinem Bad etwas mehr Wasser habe. Dieses Wehr, mit dem man die Wasserzufuhr zur Mühle regeln konnte, bestand noch bis das Sandfangbecken für den Wöhrder See angelegt wurde. Die Mögeldorfer Jugend traf sich hier zum kostenlosen Badevergnügen. Konnte man doch auf einem alten Autoreifen oder sonstigem Hilfsgerät das schräge Wehrbrett hinuntergleiten. Wer kein Hilfsmittel hatte, rutschte auf dem Hosenboden. Ich habe dort das Schwimmen gelernt. Unsere Eltern sahen es jedoch lieber, wenn wir die öffentlichen Bäder, das Flussbad oder das Naturgartenbad besuchten. Doch war es dort nicht so lustig.

Wintersport betrieben wir in heimatlichen Gefilden. Schlitten fahren konnte man am Kirchenberg, am Geiersberg (gegenüber vom Käse-Langer) und am Lichtelsberg. Der Lichtelsberg ist der Abhang zur Pegnitz in Höhe des Postsportvereins und hat seinen Namen von einem Herrn Lichtel. Dieser war Eigentümer eines der zwei Häuser, die am Hüller Weg an der Abzweigung zum Unterbürger Weiher standen. Er wird heute noch gern als Schlittenberg genutzt, wenn es zufällig einmal Schnee gibt. Die beiden Häuser wurden wegen des Wasserschutzgebietes abgerissen und es steht dort ein kleines Wäldchen. Herr Lichtel hat gegen den Abbruch auf großen Tafeln, die in seinem Garten standen, protestiert. Da diese Art von Bürgerprotest damals nicht üblich war, galt er als "spinnert" und erhielt von der Bevölkerung keine Unterstützung.

Meine Mutter erzählte, sie seien auf dem Ebensee Schlittschuh gelaufen. Wir trafen uns auf dem Unterbürger Weiher oder nach Überschwemmungen auf den Pegnitzwiesen. Die Schlittschuhe wurden auch als Absatzreißer bezeichnet, denn sie wurden mit einem "Orgerla", einer Art Inbusschlüssel, an Absatz und Sohle der nicht gerade widerstandsfähigen Schuhe angeschraubt. Bei der Belastung während des Laufens löste sich dann oft der Absatz vom Schaft.

Als ich etwa drei Jahre alt war, begann für mich das Medienzeitalter. Wir kauften ein Radiogerät Marke Wega. Es war faszinierend, als aus dem schwarzen Kasten Stimmen und Musik kamen. Zum Empfang waren jedoch Antennen nötig. Diese bestanden aus einfachen Drähten und wurden meist im Freien, oft von Haus zu Haus gespannt. Wegen der Blitzschlaggefahr wurde man nach den Nachrichten immer wieder ermahnt: "und vergessen Sie nicht, Ihre Antenne zu erden." Wir erdeten am Wasserhahn.

Waschhaus und Klo im Hof

Ein Jahr später wurden plötzlich bei Einbruch der Nacht alle Fenster verdunkelt. Es war Krieg. Mit besonderem Interesse wurden die Nachtübungen der Flakstellungen verfolgt. Irgendwo am dunklen Nachthimmel flog ein Flugzeug, das mit den Scheinwerfern geortet werden musste. Wenn dann das Flugzeug im Scheinwerferkegel eingefangen war, wurde der Erfolg lauthals bejubelt.

Etwa 1941 kamen Kinder aus Kiel nach Nürnberg, da in Kiel bereits Luftangriffe erfolgten. Ein Mädchen, sie hieß Astrid, kam zur Familie Fiedler, die hier am Bürgweg eine Bäckerei betrieb. Astrid freundete sich mit meiner Schwester an. Sie erzählte von den Bombenangriffen und den fürchterlichen Auswirkungen. Mein Großvater schüttelte dazu nur den Kopf und wunderte sich, dass doch die "Preußen" schon als Kind so fürchterlich übertrieben. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis sich die Aussagen von Astrid auch bei uns bestätigten.

1942 begann für mich die Schulzeit. Es war selbstverständlich, dass man im Gleichschritt in den Pausehof marschierte und nach der Pause auf die gleiche Weise wieder zurück ins Klassenzimmer. Bei besonderen Anlässen versammelten sich sämtliche Schüler im Schulhof. Am Ende der Veranstaltung wurde dann die erste Strophe des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes gesungen. Dazu mussten wir die rechte Hand zum Hitlergruß erheben. Für einen Siebenjährigen ganz schön anstrengend! Wir bekamen in der Nachbarschaft einige Häuser zugewiesen, in denen wir bei den Bewohnern regelmäßig Knochen, Metalle, Lumpen und Altpapier abholen mussten, die wir dann an der Sammelstelle in der Schule abgaben. Es gab dafür Punkte. Einmal stand in meinem Zeugnis: "Er war bester Altstoffsammler der Klasse" und ich bekam zur Belohnung einen Zirkelkasten.

Bald war auch Nürnberg Ziel von Luftangriffen und aus den Übungen der Flak war bitterer Ernst geworden. Längst waren an den Häusern die Luftschutzräume markiert. LSR im Hof oder LSR mit Pfeil, der auf ein Kellerfenster wies. Wer keinen sicheren Keller hatte, ging in öffentliche Schutzräume. Im Bürgweg war dieser im Haus Nummer 12 eingerichtet. Die Schutzräume waren mit Balken abgestützt und mit Sitzgelegenheiten versehen. Verschlossen wurden sie mit Stahltüren. Diese durften vor der Entwarnung nicht geöffnet werden. Zum Nachbarhaus Nr.10 bestand ein Notdurchbruch. Der in der Waldstraße angelegte Erdbunker erwies sich als zu unsicher und wir gingen ins Wölfelshaus Nr.12. Wenn eine Bombe in der Nähe niederging, hörte man ein lang gezogenes Pfeifen. Man öffnete den Mund und hielt sich die Ohren zu um das Trommelfell zu schützen. Wenn es dann nach der Detonation nur leicht von der Decke rieselte, atmete man erleichtert auf. Wir wurden nicht getroffen!

Über das Radio konnte man (verbotenerweise?) die Flugrichtung der angreifenden Fliegerverbände verfolgen. Groß war die Erleichterung, wenn man feststellte vermutlich nicht das Angriffsziel zu sein. Kam aber die Meldung:"Achtung Meistersinger, Trommel umhängen!" wusste man, dass Nürnberg das Ziel war. Kurz darauf heulten die Sirenen. Unsere wichtigsten Habseligkeiten standen schon bereit. Meine kleinen Schwestern wurden rasch noch gewickelt und ab ging es in den Schutzraum. Mein Vater und meine beiden Großväter blieben im Haus. Mein Vater kontrollierte zwischen den Angriffswellen die anliegenden Häuser und konnte so zwei Brände im Bürgweg 25 und 28 löschen. Auf allen Dachböden waren Behälter mit Sand und Löschwasser deponiert, was sich in beiden Fällen als nützlich erwies. Auf dem Platz vor unserem Haus sowie in Höhe Bürgweg 8 (damals noch unbebaut) wurden Löschwasserbehälter gebaut, die für uns Kinder im Sommer als willkommene Badegelegenheiten dienten.

Beim Luftangriff am 28.8.1943 war auch unser Haus betroffen. Die notdürftige Reparatur wurde von einem Maurer durchgeführt, der von russischen Kriegsgefangenen unterstützt wurde. Auf die Frage meiner Mutter, ob sie den Gefangenen etwas zu essen geben dürfe, antwortete er: "Das ist verboten. Aber was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß." So bekamen sie ihre Zusatzration, auch über die Dauer der Reparatur hinaus. Sie brachten dafür uns Kindern selbst gebasteltes Holzspielzeug. Nach Ende des Krieges kamen sie um sich zu verabschieden. Sie hatten Angst nach Rußland zurückzukehren. Sie fürchteten, dort dafür bestraft zu werden, dass sie sich gefangen nehmen ließen.

In Mögeldorf herrschte große Betroffenheit und Unsicherheit wie es weiter ginge.. Die Erlebnisse der letzten Kriegstage wirkten noch nach. Im Haus Bürgweg 25 wollten drei Jugendliche die Kämpfe beim Vordringen der Amerikaner an der Prutzbrücke beobachten. Sie hatten ihre Hitlerjugend-Kappen auf, wurden vermutlich für Sodaten gehalten und von amerikanischen Scharfschützen erschossen.

Vor den Häusern lagerten mehr oder weniger hohe Schutthaufen. Diese wurden später in einer Sandgrube, die sich zwischen der Bühlstraße und der Behringstraße befand, entsorgt. Im Block wurde der Schutt in Loren zum Steilabfall der Pegnitz gefahren und das Pegnitztal dadurch verkleinert. Das "Haus der Gemeinde" steht zum Teil auf der Schuttablagerung, was beim Bau des Hauses einige Schwierigkeiten bereitete.

Man begann sich auf die neue Situation einzurichten. Die Versorgung der Bevölkerung mit dem Nötigsten war äußerst schlecht. In Mögeldorf gab es eine Reihe von Kleingärten in Kolonien oder hinter den Häusern. Hier konnte man sich eine kleine Zugabe erwirtschaften. Wenn die Felder der Bauern abgeerntet waren, konnte man dort Getreideähren nachlesen oder Kartoffeln nachgraben. Brennmaterial war ebenfalls knapp. So besorgte man sich beim Forstamt einen Holzleseschein und holte sich aus dem Wald dürres Geäst oder dürre Baumstämme bis zu einem gewissen Durchmesser. Natürlich war der Waldboden durch den großen Bedarf wie aufgeleckt. Mein Großvater hatte jedoch eine "Kragelstange", eine lange Stange, an der ein Reißhaken angebracht war. Mit Hilfe der Kragelstange konnte man dürre Äste von den Bäumen reißen. Besonders geeignet waren die Äste von Föhren, da sich diese leicht brechen ließen. Natürlich wurden heimlich stärkere, oft auch nicht ganz dürre Bäume gefällt und zum Heimtransport unter den Ästen versteckt.

Wir hielten in unserem Garten Hühner. Pro Person durfte man ein Huhn halten, für jedes weitere war eine bestimmte Zahl von Eiern abzuliefern. Die jährlichen Viehzähllisten wurden deshalb immer etwas geschönt. Zum Glück kam nie eine Kontrolle zu uns. Auch Stallhasen hatten wir. Das nötige Futtergras holte man sich im Wald oder von den Wiesen der Bauern, was diese gar nicht gern sahen. Ein Flurwächter (Flurer genannt) sorgte dafür, dass die Selbstversorgung nicht ausuferte.

Jeder Haushalt bekam je nach Personenzahl Marken für eine bestimmte Menge von Lebensmitteln. Trotzdem musste man ständig schauen, wo es etwas gab. So musste man z.B. für ein Pfund Salz oft stundenlang anstehen, manchmal umsonst, weil der Vorrat nicht ausreichte. Große Schlangen bildeten sich auch vor dem Fischgeschäft Seitz, wenn es mal wieder Fische gab. Das Geschäft befand sich in dem kleinen Laden Ecke Christophstraße-Mögeldorfer Hauptstraße, heute eine Änderungsschneiderei. Die Schlange stand dann bis in Höhe der Bäckerei Beck, damals Bäckerei Kraus. Der Gehweg war sehr eng und die LKWs und Jeeps der Amerikaner donnerten dann gefährlich nah an den Leuten vorbei. Stöhnend und ächzend bewegten sich dagegen die mit Holzgas betriebenen deutschen Lastwagen den Berg von der Satzinger Mühle herauf. Manchmal blieben sie stehen. Der Fahrer stieg dann aus, stocherte im Gaskessel herum und setzte dann nach einiger Zeit seine Fahrt fort. Zu einem Stau kam es aber nicht!

Da die Thusneldaschule ziemlich zerstört war, konnte das Schuljahr 1944/45 nicht mehr zu Ende gebracht werden. Die Katechetin Martha Flierl versuchte trotzdem evangelischen Religionsunterricht auf freiwilliger Basis zu halten. Bevor man sich auf eine Bank setzte, musste man diese auf Beschädigungen oder Glassplitter untersuchen. Im Herbst begann dann das Schuljahr 1945/46 unter erheblichen Schwierigkeiten. Viele Lehrer waren noch in Gefangenschaft oder mussten wegen ihrer Parteizugehörigkeit am Bau oder im Wald arbeiten. Über die schulischen Probleme hat Herr Rektor i.R. Erich Gutmann ja bereits ausführlich berichtet. Ich war einer seiner Schüler.

Die Kinder waren in der schulfreien Zeit ziemlich orientierungslos und wussten nicht recht, was sie tun sollten. So begann man sich gegenseitig ohne besonderen Grund zu bekämpfen. Es wurden heftige Steinschlachten zwischen einzelnen Straßen ausgefochten. Genügend Steine lagen ja vor jedem Haus. Dann vereinigte man sich wieder und zog gegen andere los. Altmögeldorf gegen Block, Altmögeldorf und Block gegen Wöhrd auf den Pegnitzwiesen!

Sehr bald begannen kirchliche Jugendverbände und Sportvereine sich um die Jugendlichen zu kümmern und die Straßenschlachten waren nicht mehr interessant. Pfarrer Geyer machte mich auf die Jungschar aufmerksam. Diese wurde in einem Haus im "Schauerswäldla" im Block für 10- bis 14-jährige Buben gehalten. Dieses Haus war schon früher Treffpunkt des CVJM gewesen und die Jugend wurde nun hier vom CVJM Sterntor, heute Kornmarkt, betreut. Die Jugendstunde wurde von Karl Scharl gehalten. Der Scharly, wie wir ihn nannten, war ein Student und konnte unheimlich gut erzählen. Wenn dann die Spannung am Siedepunkt war, brach er ab. Wir sollten ja in der nächsten Woche wieder kommen. Da kein Heizmaterial vorhanden war, sollten wir Holz oder Briketts mitbringen. 1946 fuhren wir im Viehwagen zur ersten Jungscharfreizeit nach Wernfels.

Schuhe gab es auch keine. So trug man Holzklapperer oder lief barfuß. Das klingt schlimmer als es war. Man entwickelte eine gewisse Lauftechnik, sodass es auch kein Problem war, über die Stoppeln der abgeernteten Getreidefelder zu laufen. Spaß machte es nach einem starken Regen durch die Wasserpfützen zu laufen und besonders schön war es, wenn der "Läpperi" schwarz oder braun durch die Zehen quoll. Die Straßen waren ja nicht asphaltiert, die Wege nicht gepflastert.

Die hygienischen Verhältnisse im Bürgweg waren bescheiden. Die meisten Häuser hatten "Plumpsklos", die sich entweder im Hof befanden oder im Treppenhaus auf halber Stockhöhe für zwei Etagen. Unseres stand im Hof. Im Winter zog es und im Sommer stank es. Toilettenpapier gab es nicht. So wurden die Zeitungen in kleine Stücke geschnitten. Gleich nach dem Krieg gab es noch keine Zeitungen oder nur sehr dünne. So mussten die Buchbestände herhalten. Bei uns war es der "Schinderhannes". Natürlich habe ich die Gelegenheit benutzt, in einem Buch zu lesen, das ich normalerweise nicht in die Hände bekommen hätte. Meine Mutter wunderte sich, warum ich immer so lange am Klo saß.

Gebadet wurde im Winter in einer Zinkbadewanne. Heißwasser entnahmen wir dem Wasserschiff, einem rechteckigen Behälter, der im Kochherd eingelassen war und großen Töpfen, in denen das Wasser auf offenem Feuer erhitzt wurde. Im Sommer badete man im Waschhaus im Waschtrog. Das Wasser wurde im Waschkessel erwärmt. Welch ein Komfort gegenüber der Winterwäsche! Wegen der Fliegerschäden mussten wir 1957 unser Sandsteinhaus abreißen. Die Sandsteine wurden irgendwo in der zerstörten Stadtmauer eingesetzt. Die Backsteine wurden abgeklopft und im Neubau wieder verwendet. Wir bekamen Bad und WC und fühlten uns wie im Himmel. Auch eine Waschküche wurde im Keller installiert, doch wurde diese kaum mehr benutzt. Es gab Waschmaschinen!

Viele Mögeldorfer waren bei Mögeldorfer Firmen beschäftigt. Am Freitag, dem Zahltag, holten manche Frauen ihre Männer nach Feierabend ab, damit diese nicht ihr Geld in die nahe liegenden Wirtschaften brachten. Der wohl größte Arbeitgeber waren die Lederwerke Kromwell, die Mögeldorfer sagten die "Ledderbudn". Die Firma hatte einen beeindruckend hohen Fabrikschlot. Heute befindet sich auf diesem Gelände der Marktkauf. Die angrenzende Firma Berg war ein weltweit anerkannter Sportartikelhersteller. Für viele nationale und internationale Wettkämpfe in Fußball, Leichtathletik und Boxen sowie für den Schulsport lieferte Berg die Ausrüstung. Neben diesen Fabriken waren da eine Reihe von mittelständischen Betrieben und Handwerksbetrieben wie Maurer, Schlosser, Sattler, Wagner, Mühlsteinbauer, Schuster, Bäcker, Metzger und Frisöre, damals noch "Boder" genannt. Es gab noch nach dem Krieg einen approbierten Bader in Mögeldorf, den Balthasar Emmert, der sein Geschäft an der Ecke Mögeldorfer Hauptstraße - Schmausenbuckstraße hatte (heute St.Ulrich Apotheke) . Laut einer vor der Tür hängenden Tafel konnte der "Balthers" neben Haare schneiden noch Zähne ziehen, Blutegel setzen, schröpfen, Hühneraugen entfernen und Ohrringe stechen. Doch wurden diese Sonderdienste sicher nicht mehr in Anspruch genommen. Die Bader und meist auch die Frisöre hatten vor ihrer Tür ein vernickeltes, rundes Schild hängen, ein Überbleibsel aus der echten Baderszeit. Wenn das Bad hergerichtet war, teilte dies der Bader der Bevölkerung mit indem er auf das Schild schlug. Nachdem das Schild nicht mehr so recht zum "Frisörsalon" oder zur "Hairothek" passte, verschwand es nach und nach von der Bildfläche. Neuerdings können solche Schilder wieder für teures Geld gekauft werden und sind wieder "in".

Der Haarstilist wird dadurch nicht wieder zum Bader und wir holen die alten Zeiten nicht mehr zurück. Das wollen wir auch nicht. Aber viele schöne Erinnerungen bleiben.

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letzte Änderung: 23.12.01