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Geschichten aus dem Trautnerhof

So sah er aus, der alte Trautnershof. Er stand in der Mögeldorfer Hauptstraße 30. Auf dem Foto schaut rechts der Giebel der Strauß-Apotheke heraus. Heute befindet sich auf dem Grundstück ein Installationsgeschäft und das Frankenweinzentrum.

Der Trautnershof wurde 1945 zerstört. Bei Kriegsende hatte sich dort die SS einquartiert und versucht, die von Osten anrückenden Amerikaner aufzuhalten. In diesen Kämpfen wurde der Trautnershof total vernichtet. Es brannte tagelang. Das lag daran, dass die SS noch Munition zurückgelassen hatte, was immer wieder kleine Explosionen hervorrief, die das angrenzende Holzlager mit in den Brand einbezogen. Eine große Sorge war, dass sich die in der Erde befindlichen Benzinlager entzündeten. Sie blieben glücklicherweise unversehrt. Die Besitzer, der Wagnermeister Johann Stippler und seine Frau Elisabeth, eine geborene Trautner, hatten im Keller der Strauß-Apotheke Zuflucht gefunden. Alles, was sie von Ihrer Habe retten konnten, waren zwei Stühle.

Das Anwesen wurde 1790 erstmals erwähnt. Seit 1879 gehörte der Hof den Trautners. Sie betrieben vorwiegend Viehzucht. Als mit dem Schwiegersohn Johann Stippler ein tüchtiger Handwerker auf dem Hof war, hörten die Trautner noch vor dem 2. Weltkrieg mit der Viehhaltung auf. Johann Stippler fertigte in seiner Wagnerei Leiterwagen, Schlitten und spezielle Wagen für die heimischen Handwerker und Industriebetriebe wie zum Beispiel für die Lederwerke Kromwell. Er wagte sich auch in eine zukunftweisende Branche und eröffnete 1933 die erste Tankstelle in Mögeldorf, eine bescheidene Zapfstelle!

Der alte Trautnershof wurde nach seiner Zerstörung nicht mehr aufgebaut. Vater Johann Stippler stellte eine Baracke auf. Seine Söhne Fritz und Karl fanden ihr Auskommen auf dem elterlichen Grundstück. Der Sohn Fritz baute den ehemaligen Stadel im Obergeschoss als Wohnung und unten als Werkstatt für seinen Karrosseriebaubetrieb aus. Seine Frau betrieb eine kleine Wäscherei. Die Anlage ist noch in der heutigen Installationsfirma enthalten. Westlich davon, wo jetzt das Frankenweinzentrum ist, kann man noch die Tankstelle erkennen, die der Sohn Karl neben seiner Kraftfahrzeugwerkstätte betrieb. 
Der Trautnershof hatte im Norden weit in die Mögeldorfer Hauptstraße hineingeragt. Nach der Zerstörung des Hofes wurde das Grundstück an dieser Stelle schon bald nach Kriegsende begradigt. Aber nach Süden grenzte noch ein ausgedehnter Garten und ein Werkstatthof an. Als die Stadt Nürnberg 1969 beschlossen hatte, die Ostendstraße geradlinig nach Osten über den jetzigen Mögeldorfer Plärrer weiterzuführen, fiel der südliche Teil des Trautnerhofes dem Straßenbau zum Opfer. Die Firma Karl Stippler musste aus Mögeldorf weichen und konnte 1968 am Thumenberger Weg ein modernes Kraftfahreugzentrum errichten.

Elisabeth und Johann Stippler hatten außer den beiden Söhnen Fritz und Karl noch drei weitere Kinder. Die Tochter Luise lebt heute noch. Sie hat für ihre Kinder und Enkelkinder ihre Lebenserinnerungen aufgeschrieben. Mit ihrer Erlaubnis dürfen wir aus ihrem Büchlein Auszüge abdrucken, die sich auf ihre Jugend in Mögeldorf beziehen. Elfriede Schaller

Elfriede Schaller