Die Gleißhammerstraße

- damals und heute -.

insbesondere Hausnummer 131

von Elsbeth Trapp

Dort wo heute 14 Familien in einer kleinen ansehnlichen Wohnanlage ein neues Zuhause gefunden haben, stand über 50 Jahre lang ein Zimmerei- und Schreinereigeschäft, zeitweise auch ein Sägewerk. Von der wechselhaften Geschichte des Areals an der Gleißhammerstraße 131 erzählt der folgende Beitrag.

Der Fuhrweg zwischen Mögeldorf und Glaishammer, der dort begann wo heute in der Ostendstr. 196 (damals Mögeldorfer Hauptstr. 2) das Ärztehaus steht, nannte sich Glaishammeräckerweg. Dieser erste Teil des langen Weges ist heute die Thusneldastraße. Der Weg führte an Äcker, Wiesen und Sandlöcher vorbei bis zu den Tullnauweihern, dazu gehört auch der Weiher am Zeltnerschlösschen. Als 1859 die Bahnlinie Nürnberg-Hersbruck-Amberg fertiggestellt wurde, war der Glaishammeräckerweg plötzlich durchschnitten. Um die Verbindung aufrecht zu erhalten baute man eine Überfahrt über den Bahnkörper, der sich auf der nördlichen Seite ungefähr bei der damaligen Haus-Nr. 154, heute umbenannt in Thusneldastr. 12 befand. Auf der südlichen Seite endet heute dort die Gleißhammerstraße. 

Der Bau der Eisenbahnlinie war für manchen Mögeldorfer Bauern ein gutes Geschäft, denn Grund und Boden wurde teuer bezahlt. Vermutlich auch deshalb fanden sich Bauwillige die den nordöstlichen Teil der Straße, von nun an Gleißhammerstraße genannt, mit ansehnlichen Häusern bebauten. Desgleichen entstanden drei Anwesen auf der südlichen Seite des Bahnübergangs. So unter anderem das Haus Gleißhammerstr. 131 welches 1894 von dem Steinhauerehepaar Kalmhöfer auf einem 0,197 ha großen Ackerland errichtet und später an den Fabrik-direktor Georg Baier weiterveräußert wurde.

Als der junge Zimmermeister Jakob Trapp und sein Vater Johann Trapp um 1931 am Stadtrand von Nürnberg ein größeres Grundstück suchten um ihr Zimmereigeschäft (damals in der Wilhelm-Spaeth-Str. neben dem Petzengarten) auf eigenem Grund zu betreiben, trafen sie auf ein Angebot weit draußen in Mögeldorf. Am 6. April 1932 kam im Bayer. Notariat II der Kauf des Grundstücks Plan Nr. 187 1/2 zustande. Herr Georg Baier, verkaufte seinen Grundbesitz an der Gleißhammerstr. 131 in Nürnberg. Der Besitz bestand aus einem Wohn- mit angebautem Waschhaus, einer Remise und Abort, einen Hofraum und Wurzgarten von insgesamt 0,197 ha. Die nördliche Grundstückgrenze war die Eisenbahnlinie. Das östlich gelegene Grundstück, ein großes Sandloch, und gehörte ebenfalls der Reichsbahn. An der Westseite war Ackerland soweit man blicken konnte. Die Gleißhammerstraße selbst bildete die Grenze nach Süden hin. Auf der anderen Seite der Straße, die bereits asphaltiert war aber noch keinen angelegten Gehweg hatte, gab es Acker- und Weideland.

Das alte Wohnhaus ließ Jakob Trapp bis auf die Grundmauern abreißen und nach seinen eigenen Plänen als Zweifamilienhaus neu errichten. Eine Klärgrube an der Nordostseite des Hauses wurde angelegt und der Pumpbrunnen im Hof verbessert, denn er mußte die Bewohner vorerst mit Wasser versorgen. Petroleumlampen spendeten Licht, bis nach einiger Zeit die Strom- und Wasserversorgung von der Mögeldorfer Hauptstraße her hergestellt war. Zuerst baute man an der Bahnseite eine Werkstatt in Fachwerkweise mit Keller und offenem Dachboden nach Süden hin. Ein kleines Bürohaus entstand an der östlichen Grenzseite; zwischen Werkstatt, Büro und Wohnhaus betrieb man den Zimmereibetrieb.

Bald stellte sich heraus, daß mehr Platz nötig war. Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer an der westlichen Seite führten zu einem guten Ergebnis, so daß am 17. Juli 1935 vor dem Notariat Nürnberg II der Kaufvertag für den anschließenden Acker mit 0,123 ha besiegelt werden konnte. Die Hofeinfahrt neben dem Wohnhaus wurde nun gepflastert, der Abbund und das Holzlager auf das neu erworbene Grundstück verlegt. Jetzt bestand auch die Möglichkeit die Werkstatt an der Bahnseite zu verlängern und eine Holzlagerhalle anzubauen. Hinter der Werkstatt legte Johann Trapp einen Hausgarten an. Jakob Trapp erweiterte das Wohngebäude nach Nordosten hin mit einer Veranda.

Der zweite Weltkrieg kam und als Bomben auch auf Nürnberg fielen, schaufelten Johann und Jakob Trapp auf dem Zimmerplatz einen Bunker aus. Dort verbrachten die beiden Familien Trapp die Stunden der Fliegeralarme und Bombenangriffe. Als eine Luftmine den Westfügel des Thusneldaschulhauses zerstörte, hielt das Bürohaus diesen Luftdruck nicht stand. Für Jakob Trapp war es nun an der Zeit seine Familie in Sicherheit zu bringen. Zurück blieben er und seine Schwester Eva. Als der April 1945 kam und mit ihm die vorrückende amerikanische Armee, hütete Jakob Trapp vom Bunker aus seinen Besitz. Der Bahnübergang entwickelte sich in diesen Tagen zu einem strategischen Punkt. Die Amerikaner besetzten das Haus Gleißhammerstr. 131, ein kleines Häuflein der deutschen Wehrmacht und des Volkssturms verschanzte sich auf dem östlichen Bahngelände. Die Ostfassade des Hauses Gleißhammerstr. 131 wurde beschoßen, ein US-Soldat ließ im 1. Obergeschoß, im Treppenhaus, sein Leben.

Erst Ende 1947 liefen die Geschäfte langsam wieder an, vorallem mit Notstandsarbeiten an kriegszerstörten Häusern. Nach der Währungsreform im Juni 1948 ging es allmählich aufwärts. Irgendwo stöberte Jakob Trapp ein stillgelegtes Sägegatter auf. Auf der Westseite des Zimmerplatzes wurde eine Gatterhalle errichtet, Schienen für Gatterloren gelegt und eine zweite westliche Hofeinfahrt gepflastert. Das Rundholz bezog man meist aus dem Staatsforst rund um Nürnberg und verarbeitete es zu Brettern oder Kantholz . Der Betrieb des kleinen Sägewerks verbrauchte viel Strom, dazu war aber die Stromzufuhr nicht ausgelegt. Das spürten in den Abendstunden die Nachbarn der nach Westen hin anschließenden Siedlung (Siedlervereinigung Gleißhammerstraße e.V.), die in den Jahren 1933 (Altdorfer- und Schönbergerstr.) bis 1938 zwischen der Ringbahn an der Gleißhammerstraße und dem Zimmereibetrieb entstanden war. Diese vielen Häuser hingen ebenfalls an der alten, von Mögeldorf kommenden Stromleitung und wenn das Gatter lief, zuckte in den Wintertagen das Licht in den Häusern

Ca. 1962 wurde die Kanalisation von der Blütenstraße zur Gleißhammerstraße verlegt; die beiden Straßen baute man aus und führte sie zusammen. Die Verbindung zur Gleißhammerstraße ( Hausnr. 138) war bis dahin ein Fußweg, der durch saftige Wiesen und Felder führte. Der beschrankte Bahnübergang Gleißhammerstraße wurde still gelegt. Eine kleine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer sorgte von nun an für die Verbindung zur Nordseite des Gleiskörpers. Der Kanalanschluß eröffnete schließlich Bauwilligen ein wertvolles Areal. Nach und nach verschwanden Wiesen und Äcker, dafür entstanden Ein- und Mehrfamilienhäuser, die durch neue Straßen erschlossen wurden. Nach Fertigstellung des Ostrings gab es südlich der Gleißhammerstraße fast keinen Acker mehr.

Bis 1976, vier Jahre vor seinem Tod, betrieb Jakob Trapp seinen Handwerksbetrieb. Danach wurde die Werkstatt an verschiedene Schreinereien vermietet. Den Zimmerplatz einschließlich der Gatterhalle nutzte ein Autohändler, die Holzlagerhalle im rückwärtigen Teil des Grundstücks ein Sanitär-Technik-Betrieb.

Gleißhammerstraße

Als im Jahr 1992 auch Jakob’s Frau Emma starb befaßte sich ihr Sohn Rudolf Trapp, Architekt und Baumeister, mit der Bebauung des Geländes. Zuerst war an eine große Wohnanlage gedacht, doch da sich bereits eine Änderung im Kaufverhalten der Interessenten anbahnte plante man um. Zwei Reihen Ein- und Zweifamilienhäuser in Kettenbauweise fanden die Zustimmung der Bauordnungsbehörde und das Interesse der Käufer. Im Sommer 1996 begann der Aushub für das erste Haus. Es erhielt die Hausnummer 129 und Tochter Elsbeth Trapp zog zu Jahresbeginn 1997 dort ein. Nach und nach erstellte das Bauunternehmen Rudolf Trapp ein Haus nach dem anderen. Das letzte Gebäude, Gleißhammerstr. 131, wurde im Dezember 2000 fertig und bezogen.

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letzte Änderung: 23.12.01