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Mögeldorf und das Geschlecht deren von Oelhafen

Das 1972 abgebrochene Doktorschloß war 40 Jahre Domizil derer von Oelhafen. In der Mögeldorfer Kirche Nikolaus und Ulrich finden wir an drei Stellen Erinnerungen an dieses Geschlecht: An der westlichen Rückwand ist ein Totenschild von Christoph Elias Oelhafen, an der Nordwand eine große unlängst erst renovierte Totentafel mit sieben Daten über Verstorbene dieses Geschlechts. Unter dem Ostchor der Kirche ist eine Gruft mit einer Reihe von Särgen dieser Familie verborgen. Wenden wir uns zunächst der Geschichte der Oelhafen zu. Beim Überfliegen dieser Daten erkennen wir, welch tüchtige und bedeutende Persönlichkeiten diese Familie hervorgebracht hat.

Oelhafen von Schöllenbach auf Rupprechtstein und Eismannsberg

1340, 1365, 1366:
sind Oelhafen in Zürich als Regimentsräte eingetragen. Rueger Oelhafen war dort Zunftmeister

1363:
Hainrich Oelhafen erstmals urkundlich erwähnt in Nördlingen als Mitglied des dortigen Rats. Weiterverzweigung der Familie nach Nürnberg, Leipzig und Breslau.

1466:
Geburt von Sixtus I. Oelhafen als Sohn des Patriziers Georg Oelhafen, in Nördlingen, bedeutender Ahnherr der fränkischen Linie. Oberster Sekretär in der Hofkanzlei von Königen und drei Kaisern.

1489:
Reichsadelsstand durch Kaiser Friedrich III., Verleihung eines Wappens.

1501:
Heirat mit Anna Pfinzing von Henfenfeld.

1508:
Zweite Ehe mit Barbara Rieter von Kornburg

1512:
Kauf des Guts Schöllenbach bei Eckental als Familienstammsitz. Geburt eines Sohnes. Kaiser Maximilian übernahm Patenstelle.

1521:
Berufung auf den Reichstag zu Worms. Dort Begegnung mit Luther.

1539:
starb Sixtus und wurde auf dem Johannisfriedhof in Nürnberg beigesetzt. Kein Geringerer als Dürer hat sein Porträt in Öl gemalt

1555 – 1609:
Leonhard Oelhafen
war Ratsherr und Bürgermeister in Leipzig. Er war Stadtrichter und Baumeister. Initiator zweier Stiftungen für die Armen und die Thomasschule. Starb mit 54 Jahren im Amt.

1574 – 1631:
Johann Christoph Oelhafen, Konsulent für Nürnberg und andere Territoralherren. Arbeitete am Reichskammergericht und wurde 1626 Prokanzler der Universität Altdorf

1601 – 1666:
Tobias von Oelhafen, Jurist und Diplomat, der als Vertreter der Reichsstadt Nürnberg 1648 in Münster und Osnabrück den Friedensvertrag unterschrieb und 1652 Prokanzler der Universität Altdorf wurde.

1613 – 1681:
Wolfgang Friedrich von Oelhafen
, Pfleger des Klosters und Amtes Engelthal.

132 – 1685:
Georg Tobias Oelhafen
, Nürnberger Diplomat

1625 – 1700:
Johann Ernst Oelhafen
, Stammherr der Eismannsberger Linie. Nahm 1651 als Abgesandter Nürnbergs am Reichstag in Regensburg teil. Ein Jahrzehnt später in Diensten des Schwedischen Heeres. Nach 15 Jahren Abwesenheit kam er wieder zurück und wurde Amtmann in der Stadt Nürnberg. Beerdigt auf dem Johannisfriedhof.


1692 – 1751:
Christoph Friederich Oelhafen
, Oberrichter der Vorstadt Veste Wöhrd, liegt in Wöhrd begraben.

1675 – 1736:
Freiherr Christoph Elias von Oelhafen, verheiratet mit Anna Maria Gewandschneider aus Weiherhaus vergrößerte seinen Besitz 1709 durch den Kauf der Hofmark Eismannsberg. Durch seine Gemahlin wurde seine Familie Miterbe der Hofmark Rupprechtstein-Neukirchen. Fortan nannte sich die Familie Oelhafen von Schöllenbach auf Rupprechtstein und Eismannsberg. Christoph Elias war ein geschätzter Jurist und wurde 1707 Consulent am Stadt- und Ehrengericht in Nürnberg. 1729 wurden er und seine Erben zu adeligen Geschlechtern und Patriziern der Reichsstadt Nürnberg ernannt. Beigesetzt in Eismannsberg in seiner neuen Gruft. (Siehe Totenschild in der Mögeldorfer Kirche)

DESSEN  SÖHNE:

1710 – 1779:
Georg Christoph Oelhafen
, Generalfeldmarschall-Lieutenant des Fränkischen Reichskreises und Obrist über ein Infanterieregiment.


1709 - :
Karl Christoph Oelhafen
, studierte in den Jahren 1724 und 1732 in Altdorf. Reisen durch Schweiz, Frankreich, England und Niederlande. 1737 Nürnberger Pfleger über die Ämter Velden und Hausseck, 1764 Oberamtmann und Oberrichter des Sebaldiwaldes bei Nürnberg. Bekannt durch schriftstellerische Forschungsarbeiten

1711 – 1749:
Jacob Christoph Oelhafen
, pfälzischer Truchsess und Hofrat.

DESSEN SOHN:
1748 - :
Georg Christoph Oelhafen
,  leitete die Geschicke der Grundherrschaft. Mit der ersten Frau Regina Imhoff hatte er zwölf Kinder. Die zweite Gemahlin gebar ihm sechs Kinder. Er arbeitete als Jurist bei der Stadt Nürnberg und war 20 Jahre Pfleger des Amtes Betzenstein. Nach seinem Tod übernahm Karl Wilhelm von Oelhafen, ein Sohn aus zweiter Ehe, Schloss Eismannsberg. Er trat in Bayerische Militärdienste und beendigte seine Laufbahn Mitte des 19. Jahrhunderts als Hauptmann.

1716 – 1859
saß eine eigene Linie der Familie in Eismannsberg am östlichsten Ende von Mittelfranken. Sie stellten zwischen 1806 und 1906 sechzehn aktive und vier Reserveoffiziere der bayerischen Armee.

1813
wurde die heute noch existierende Familie Oelhafen von Schöllenbach dem einfachen bayerischen Adel immatrikuliert.

1860
verließ die Familie von Oelhafen Eismannsberg. Das Schloss ging in bürgerlichen Besitz über. Die Familie verzweigte sich bis in die USA.

 
Doktorschloss 1760, Stich von Chr. Melch. Rot

Doktorshof 1760, Stich von Chr. Melch. Rot.

Der Mögeldorfer Besitz „Das Doktorschloss“

Es ist nicht bekannt, wann das Schloss erbaut wurde. Die ältesten Besitzer kennen wir: Es sind die Deichsler, deren Totentafel noch heute in der Mögeldorfer Kirche zu sehen ist. Zum Schloss gehörten noch ein Bauernhof und zwei Gütchen, von einer Mauer umgeben, deren Reste bis zum Abbruch im Jahre 1972 noch zu finden waren. 1538 verkauften die Deichsler an die Holzschuher. Im Markgräflichen Krieg 1551/52 wurde das Schloss zerstört, aber von den Holzschuhern wieder aufgebaut. Anfangs war noch ein Graben mit Ziehbrücke vorhanden, eine riesige Linde und ein  Ziehbrunnen, ein wohl wunderschöner Platz. Die Holzschuher waren dann Inhaber des Schlosses und seiner Güter bis ins 18. Jahrhundert herein. Danach verwalteten die Scheidlin den Besitz. Im Jahre 1786 fiel das Schloss als mütterliches Erbe der Frau des Christoph Carl von Oelhafen zu, die dort fast 40 Jahre wohnten. Laut deren Inventur vom 2.10.1808 gehörten zum Besitz:

Ein Landhaus mit Garten, ein Pferdestall, zwei Zinswohnhäuser, ein weiteres mit Stall, Kölbergütchen genannt. Im Jahre 1835 verkaufen die Erben von Christoph Carl an den Mögeldorfer Wundarzt Johann Paul Eckstein. Der zertrümmerte den Besitz, behielt das Schloss und verkaufte Wohnhaus und Kölbergütchen. Er war Wundarzt und hatte natürlich keinen Doktortitel. Für die Mögeldorfer war er aber der Doktor. Daher der Name „Doktorschloss“. Er verstarb 1872. Viele Besitzer und Mieter wechselten sich in den letzten hundert Jahren ab und schätzten den alten Schloss-hof mit dem Ziehbrunnen, u.a. Stadtbaurat Dipl.-Ing. Fritz Kalkner, der nach seiner Heimkehr aus der Gefangenschaft 1918 die nachfolgende Federzeichnung seines Domizils anfertigte. Er hat dort mehr als ein halbes Jahrhundert gewohnt. Durch Fliegerbomben im zweiten Weltkrieg und durch Beschuss bei der Besetzung hat das Schlösschen ziemliche Risse erhalten. Der letzte Besitzer, ein Architekt konnte der Baubehörde die Abbruchgenehmigung abringen. So wurde der Bau noch „rechtzeitig“ vor Inkrafttreten des neuen bayerischen Denkmalschutzgesetzes abgerissen und Mögeldorfs Herrensitze auf fünf reduziert. Das würde und könnte heute nicht mehr passieren.


Totenschild des Christoph Elias Oelhafen von 1736

Über dem ovalen verzierten Schild thront das vom Kaiser verliehene Wappen derer von Oelhafen. Im viergeteilten Schild links oben und rechts unten ein goldener Löwe mit goldenem Ölkrug in den Vorderpranken, auf den übrigen zwei diagonal zueinander liegenden Feldern das durch Heirat erworbene Wappen der Pfinzing, ein schwarzer Adler in Gold auf einem silbernen Ring.

 

Die Mögeldorfer Totentafel

Die Mögeldorfer Totentafel ist nicht die einzige. Epitaphien und Totenschilder der Oelhafen finden wir auch in St. Sebald, St. Lorenz, St. Jakob und in der Frauenkirche. Unsere Totentafel ist aber besonders schön und kunstvoll gestaltet. Der schwarze Rahmen wird an den vier Ecken mit goldenen Rocaillen verziert. Die Tafel ist ca. 135 x 100 cm groß, denn sie musste sieben Lebensdaten der Patrizierfamilie Oelhafen aufnehmen. Es geht dabei um Verstorbene aus den Jahren 1749 - 1800. Nachfolgend der Text in besserer Verständlichkeit:

 

Die Tafel

 

Herr Jacob Christoph Oelhafen von Schöllenbach auf Eismannsberg,

hiesiger Unter- auch Land- und Bauerngerichts-Assessor, nachher Chur-

Pfälzl. Truchses und Hofrat, geboren zu Eismannsberg den 22.Dez. 1711

starb zu Nürnberg den 20. Okt. 1749, liegt begraben zu St.Johannis.

 

Herr Christoph Friederich Oelhafen von und zu Schöllenbach,

Oberrichter der Vorstadt und Amts der Veste Wöhrd,

(Familienoberhaupt und Verwalter des Vermögens) geboren zu Nürnberg

den 26. August 1692, starb allda den 24. Oktbr. 1751, liegt zu Wöhrd begraben.

 

Herr Georg Christoph Oelhafen von Schöllenbach auf Eismannsberg,

Rupprechtstein und Neukirchen, des Hochlöbl. Fränk. Kreises ältester

Generalfeldmarschall, Leutnant und Obrist über ein Regiment zu Fuß,

geboren zu Nürnberg den 5. März 1710, starb zu Eismannsberg

den 3. Juli 1779, liegt alldort begraben.

 

Hier ruhen in Gott vor dem Hauptaltar

Herr Christoph Karl Gottlieb von Oelhafen, geboren 4. Novbr. 1781

Gestorben 17. Juli 1792, Sohn des Herrn Chr. Karl Oelhafen von Schöllenbach,

Assessor am Stadt- und Ehegericht Nürnberg und seine erste Ehefrau

Kath. Eleon. Karol. von Furtenbach-Reichenschwand,

 ferner aus zweiter Ehe mit F.Kl.Jak.Mar.Kress von Kressenstein

Sigm. Fr. Karl von Oelhafen, geboren 19. Mai 1797, gestorben 1. Juni 1797

Mar. Magd. Kath. von Oelhafen, geb. 4. Mai 1799, gestorben 15. Juli 1799

Sigm. Karl Chr. Oelhafen, geb. 8. Mai 1800, gestorben 28. Mai 1800

 

w G e f A v

Es sind vier Erwachsene und vier Kinder aufgeführt. Drei davon verstarben innerhalb zweier Monate, für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich. Beim Großumbau der Kirche im Jahre 1902 waren die Bauarbeiter auf diese Gruft gestoßen. Es führt eine schmale Treppe hinab und man entdeckte eine Reihe von Särgen, darunter auch Kindersärge. Da wusste man sicher, dass es sich um die aufgeführten Ölhafen-Kinder handelt.

Übrigens wurde auch in Eismannsberg 1980 eine Ölhafen-Gruft entdeckt. Hier wurde u.a. der auf der obigen Totentafel vermerkte Georg Christoph Oelhafen (1710 – 1779) aufgefunden, eine der bedeutendsten Mitglieder dieses Geschlechts. Deshalb dessen nachfolgendes Kurzporträt:

Den ersten Unterricht in Religion, Sprachen und Wissenschaften empfing Georg Christoph in seiner Eltern Haus in Eismannsberg, später bei Professoren der Universität Altdorf. Er entschloss sich zum Militärdienst. Eine zweijährige Reise (1738 – 1740) führte ihn nach Venedig, Florenz, Rom und Neapel, dann nach Österreich, Frankreich und die Niederlande und über Schwaben wieder nach Eismannsberg zurück. Seine militärische Laufbahn begann er 1728.  1741 zum Hauptmann befördert, kommandierte er die von Praunische Kompanie. In den Jahren 1741-1744 begleitete er die Hugenotten durch den Fränkischen Krieg. 1757 zog er mit der Reichsarmee ins Feld. Hier war er beteiligt in Rossbach, an der Einnahme von Dresden sowie an den Schlachten bei Meissen, Brettin und der Belagerung von Wittenberg. 1762 wurde er Generalmajor und während des Siebenjährigen Krieges im Jahre 1765 zum General-Feldmarschall-Lieutenant befördert. Das Varellische Regiment gehörte ihm bis zu seinem Tode am 3.Juli 1779. Seine militärische Dienstzeit belief sich auf mehr als 50 Jahre !!

Zurück zur Mögeldorfer Totentafel. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die Schrift ist mit Öl auf Holz gemalt. Auffällig ist, dass die großen Buchstaben kunstvoll ausgestaltet sind und besonders kräftig herausfallen. Die Tafel hat mit der Zeit stark gelitten. Sie wurde im Jahre 1982 durch den Restaurator Werner Messing aus Neukirchen wiederhergestellt. Unser Mögeldorfer Verein hat sich damals mit einer größeren Spende beteiligt.

Im vergangenen Jahr 2006 war bereits wieder ein „Kundendienst“ nötig, den Dipl.-Rest. Anne Steiner durchgeführt hat. Die Kosten betrugen 1.786,40 € und wurden durch Spenden abgedeckt. Es wurde eine Oberflächenreinigung durchgeführt. Mikroorganismen durch Ethanol gereinigt. Kitten der Bildschicht an störenden Fehlstellen, Festigen der Vergoldung u.a. Die Restauratorin hält den Platz an der Außenwand und in der Nähe der Heizung nicht für günstig. Vielleicht lässt sich für diese schöne Tafel ein neutraler, besser geschützter Platz finden? Zum Schluss noch eine gute Nachricht. Unser früherer Dekan Dr. Dietzfelbinger hat die Lösung mit den Schlussbuchstaben der Totentafel  „ W G e f A v „  gefunden. Sie heißen „Wolle Gott eine fröhliche Auferstehung verleihen“                    

        Fritz Schaller

 
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