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Die Mögeldorfer Gemeindeordnungen von 1625


Teil 3


von Martin Schieber


Nur gut 30 Jahre nach dem Erlass der Gemeindeordnung von 1594 erhielt die Dorfgemeinde Mögeldorf eine erneute Ordnung. Die Präambel der neuen Satzung von 1625 nennt einen hauptsächlichen Grund hierfür: Es waren einige Punkte inhaltlich zu ändern, die sich innerhalb der vergangenen Jahrzehnte als reformwürdig herausgestellt hatten. Bei näherem Hinsehen wird klar, dass die Bestimmungen der Gemeindeordnung von 1594 in den meisten Punkten wortwörtlich übernommen wurden - allerdings, so wie dies damals üblich war, mit der individuellen Rechtschreibung des jeweiligen Schreibers. Bei der Schreibweise des Hauptschreibers des 1625er Textes fällt vor allem die Besonderheit auf, dass er mit Vorliebe die Vorsilbe "ver-" mit f, also "fer-", schreibt und statt "ch" oftmals einfach "g" setzt.

Wirklich verändert wurden in der Neufassung nur die Präambel und fünf der 39 Paragraphen, dazu wurden zwei Paragraphen in ihrer Reihenfolge vertauscht.

In der Präambel von 1625 ging das Landpflegamt Nürnberg auf die Ordnung von 1594 ein und schilderte das Zustandekommen der neuen Ordnung: Die Mögeldorfer Vierer hatten um eine Reform in einigen Punkten gebeten, da "in solchen puncten eine bessere und richtigere erwiderung geschehen und fürgenommen werden möchte".

Die erste inhaltliche Änderung einer Rechtsvorschrift findet sich in § 9, der vom Gemeindeweiher handelt. Dieser Weiher wurde inzwischen offensichtlich aufgelassen. Noch 1594 hatte man angeordnet, ihn einem Mögeldorfer quasi pachtweise zu überlassen. Da sich offenbar keine Interessenten fanden, verlandete die Wasserfläche, und so trägt derselbe Paragraph in der Ordnung von 1625 zwar noch die Überschrift "Gemeinweyer", handelt aber davon, dass das Grundstück nach Walburgis, wenn der Gemeindehirt die Gemeindeherde wieder einsammelt und damit auf die Weide geht, wie die anderen Gemeindegründe auch der Viehweide dienen soll, denn auch davon habe die Gemeinde dann wenigstens "ihren nutz".

Eine kleine Ergänzung findet sich in § 12, der die Bestimmungen über den Gemeindehirten enthält. Dieser wird nun als "schwein- und viehhirt" bezeichnet, während er 1594 nur als "viehehirt" firmierte. Ob diese Ergänzung wirklich eine tiefere Bedeutung trägt, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden; möglicherweise hat sich aber der Schweinebestand inzwischen ausgeweitet. Dazu eine kleine Anmerkung: Schweinehaltung war für die Bauern eher ein Luxus. Um ein Schwein zu mästen, braucht es viel Aufwand an Futter, und am Ende hat man "nur" das Fleisch; bei Kühen, Schafen oder Ziegen hat man auch während der Mast schon einen Nutzen durch die Milch, die man dann zu Schmalz, Butter oder Käse verarbeiten kann, oder auch durch die Wolle. So waren es wohl vor allem die reicheren Bauern, die Schweine hielten.

Einen Seitenhieb auf ein Gemeindemitglied enthält die Neufassung des Paragraphen 14 über den Herdochsen, also den gemeindlichen Zuchtstier. Er wurde reihum im jährlichen Wechsel bei den Gemeindemitgliedern untergebracht, wofür der jeweilige Bauer eine Entschädigung von drei Gulden erhielt. Im Text von 1625 heißt es, "darunder auch der Pucher alda verstanden werden soll". Offenbar hatte sich Pucher geweigert, den Herdochsen bei sich unterzustellen.

Eine deutliche Kürzung erfuhr Paragraph 28, der 1625 mit "Mistkauf" überschrieben wurde. Es handelt sich dabei um das Verbot, Mist nach außerhalb Mögeldorfs zu verkaufen - ein deutliches Zeichen dafür, wie knapp und wertvoll die natürlichen Ressourcen der Gemeinde stets waren. Die Einzelbestimmungen, die noch 1594 den Verkauf von Pferdemist ermöglichten, wurden 1625 einfach gestrichen.

Die letzte Ergänzung erfuhr der Paragraph 34, der die Frage der Aufnahme von Beständnern, also Mietern ohne Haus- und Grundbesitz, in Mögeldorf regelte. Auch bei diesen Bestimmungen klingt die Sorge um die begrenzten natürlichen Ressourcen der Gemeinde an: Es war weniger Abneigung gegen fremde Zuzügler als das Wissen, dass Wald und Weide, Acker und Feld einen kaum zu steigernden Ertrag für die Gemeinde bereithielten - vor der Entwicklung des Kunstdüngers bittere Realität der bäuerlichen Lebenswelten der Frühen Neuzeit. Daher wurde die Zahl der besitzlosen Beständner im Dorf begrenzt, von denen jeder höchstens zwei Kühe halten durfte. Seit 1594 hatte es wohl vor allem Probleme mit ausgedienten Soldaten gegeben, die sich in Mögeldorf "mit grosen merklichen schaden" niedergelassen hatten. Daher wurde nun auf die Bestimmung verschärft hingewiesen, dass pro Gut nur ein oder im Ausnahmefall zwei Beständner aufgenommen werden durften.

Alle anderen Bestimmungen blieben gleich. Dennoch geben uns die wenigen Änderungen einen kleinen Einblick in die alltäglichen Probleme unserer Vorfahren vor nahezu vierhundert Jahren.

Vielleicht aus Versehen wurden zwei Paragraphen vertauscht, nämlich die Bestimmungen zum Sammeln der Eicheln und zum Gemeindebrunnen (§§ 32 und 33).

Im folgenden nun der Text der Mögeldorfer Gemeindeordnung vom 13. Dezember 1625. Das Exemplar, das sich heute im Stadtarchiv Nürnberg1 befindet, ist eine Abschrift, wie am Anfang deutlich gesagt wird. Im Dreißigjährigen Krieg, in dem Mögeldorf zwischen 1631 und 1646 wiederholt das Opfer von Plünderungen, Mord und Brandstiftung durch durchziehende Truppen war, ging offensichtlich das Originalexemplar der Gemeindeordnung von 1625 verloren. So waren die Mögeldorfer gezwungen, im Nürnberger Landpflegamt eine Abschrift zu erbitten, die ihnen dann auch angefertigt wurde. Sie muss noch vor 1655 entstanden sein, denn aus diesem Jahr datiert schon eine weitere Neufassung der Gemeindeordnung.

Die folgende Wiedergabe des Textes wurde wiederum, wie schon die des Textes der Gemeindeordnung von 15942, nach den "Richtlinien für die äußere Textgestaltung bei Herausgabe von Quellen zur neueren deutschen Geschichte".3 Damit wird der Text besser verständlich, ohne seine sprachliche Eigenart zu verlieren.

Die Gliederung der Abschnitte gestaltet sich etwas anders als im Text von 1594, denn es wurden oftmals einige Paragraphen unter einer Überschrift zusammengefasst. Diese Gestaltung wurde hier im Bruck übernommen. Um den Text allerdings besser mit dem der Gemeindeordnung von 1594 vergleichen zu können, wurde die schon dort verwendete Paragraphenzählung in eckigen Klammern hinzugesetzt.

[fol. 3v]

Nachdem die vorgeschrieben gemeinordtnung durch das schedlige kriegswesen verlohren, also hat die gemein ein andere auß der landtpflegstuben gebeten, welche ihnen dem 13. Decembris 1625 ertheilt worden, wie volgt.

Wir, die verordtneten eines e. e. Raths der stadt Nürnberg landtpfleger verkünden hiermit offentich, daß für unß kommen seyn die hauptleuth undt vierer zu Megldorff und für sich, auch im nahmen der gantzen gemein daselbsten, unterthänig angebracht. Obwohlen anno 1594 wohl e. gedachter ein e. e. Rath, ihre großgünstige und gebietende herrn, ihnen eine allgemeine ordtnung wie es nemlichen hinfüro in ihrer gemein in einem und dem andern gehalten werden soll, beedes under gemeiner stadt als auch unter herrn Carl Tetzels und herrn Wolff Löffelholtz beider nunmehr seelig insigeln ververdigen und einhändigen lassen, deren sie sich bißhero in ihrer gemein zu deren besten nutz undt frommen gebraucht hetten. Weilen aber etzliche in solcher ordtnung einverleibte puncten von ihren mitgemainen nit, wie es billich seyn solte, in acht genommen, sondern sehr mißbrauchet werden wolten, von dahero hoch vonnoth were, daß in solchen puncten eine bessere und richtigere erwiderung geschehen und fürgenommen werden möchte, also übergeben sie unß neben der alten ordtnung auch diejenigen puncten, so man in die anjetzo bringen und einverleiben solte. Mit unterthäniger bitt, beides auß der alten ordtnung sowohlen den darbey übergebenen puncten ihnen

[fol. 4r]

eine gantz neue ordtnung unter des landtpflegampts insigel verferdigen und zustellen zu lassen.

Wan wir dan ohnedes tragenden amptes halben schuldig seind, ob dergleichen ordnung alles fleißes zu halten, auch von unsern herrn und oberen befehl haben, dieselben auf fürfallene gelegenheit und der unterthanen begern jedesmals, wo auch wen es die notturft erfordert, zu verbessern, zu mehren und zu mindern oder gar zu cassirn und ganz neu zu geben und zu ferdigen, also haben wir dieser gemein zu Megeltorff ihr begern auch nicht abzuschlagen gewust und darauf ihnen nachfolgende ordtnung begriffen und an denen orten, da sie begert, verbessern und verferdigen lassen. Dieselbe lautet nun also wie hernach volgt.

Gemeinrechnung4

[§ 1] Dieweil fürs erste bißhero der gebrauch gewesen, das man in monat Maii an St. Walburgen tag in einer gemein zusammen kommen und von allen gemeinsachen gehandelt und geredt hab, so soll es bey demselbigen noch also bleiben und auf bemelten tag ein gemein zu Megeltorff von bauren, köblern und andern, so zur gemein gehöhren, erfordert werden, zusammenkommen und in beysein aller aigenherrschaften oder derselben gewalthaber, ob sie darzu kommen oder schicken wolten, von denen, so das vergangen jar vierer und forsteher der gemein gewesen, rechnung anhören und einnemen. Und wan man die rechnung also abgehört, so sollen durch die gemein umbfrag und wahl anderer vierer und im torf ansesige erwehlet und von ansesigen zu Megeltorff nach anzahl der meinsten stimmen zu vierern gesetzt werden, dieselben alsobalten der vorgewesenen vierer einen an aidtstat angloben, einer gemein und derselben sachen getreulich vorzustehen und zum besten handeln sollen, nach außweisung ihrer gestelten pflichten, hernach begriffen. Wan jemandt also zu einem vierer der gemein durch die mehrere stimme erclerth würd, der soll sich dessen nit widersetzen, sondern sich bey straf eines fl. gehorsamlich darzu gebrauchen lassen.

[§ 2] Solchen neugesetzten vierern sollen die gewesenen vierern uberantwordten die beschriebene gemeinordtnung, das gemeinbüchlein, darinnen allerley gemeinsachen beschrieben würdt, die rechnung, brief und alles anders, was der gemein zustendig und angehörig ist. Welche alsdan in bester ferwahrung behalten und das jar füruber biß zu einen andern viererwahl in fürfallenden sachen von einer gantzen gemein wegen zu handeln und zu befehlen haben, das billig und der gemein nütz ist, auch ihre pflicht außweisen. [§ 3] Welcher den unter der gemeinferwanden, der ferordneten vierern in dem

[fol. 4v]

befehlen, so von gemeines nutz und alt herkommen wegen geschehen, ungehorsamlich oder ferwiderlich erscheinen, ihnen gar ungebürlich einreden und solchen nit nachkommen würden, der oder die sollen, sooft die ungehorsam begangen würdt, 1 fl. straf ferfallen sein und alßbaldt oder in 2 tagen der nechsten nach der ferwürckung bezalen, oder es soll gegen ihme, wie hernach in gleicher fall geortnet ist, gehandelt werden.

Des zechen einstell, der vierer lohn

[§ 4] Und damit dem gemeinen nutz zu mehrer besserung mit den gefellen gehandelt werden, so stellen eines e. e. Rath landtpflegere alles zechen und zehren, die die vierer oder andere von einer gemein wegen oder in derselben geschefften thun mögten, hiemit gentzlich ab und ordtnen, das wan hinfüro ein vierer oder ihrer mehr von der gemein wegen und in gemeingeschäften und handlungen außgeschickt würden, demselben soll für seine mühe und zehrung eines jeden tags, wan er uber nacht nit außbleiben tarf, 42 d., aber uber nacht 3 lib. gegeben werden.

[§ 5] Es soll auch auserhalb hochwichtiger sachen, die sich entweder gefährlicher leuft oder notwendiger ursach, auch einer gemein grundt und botens halben, zutragen möcht, ein gantze gemein nit erfordert werden, sondern die georneten [sic!] vierer jederzeit ob der ordtnungen und die in der gemein zur billigkeit fermögen und halten. Und da sie sich einer sachen nit allein mägtigen wolten, mögen sie noch einen oder mehr auß der gemein zu ihnen nemen, sich der fürgefallenen sachen mit ihnen berathen. Und welche also auß der gemein durch die vierer zu beystendt erfordert worden, die sollen unwaigerlich zu erscheinen schuldig sein und das handeln helfen, das der gemein nutz und noturft erfordert. Und sonderlich in leidlichen sachen, da die vierer nit allemahl beyeinander sein mögen, da sollen die 2 oder 3, so bey der handt, volkommene macht und gewalt haben, die noturft zu handlen, doch was gehandelt würdt, den dritten oder vierten sobalt möglich angezeigt werden.

[§ 6] Da aber vonnöten were, eine gantze gemein zusammen zu erfordern, oder da sonst der hievorgemelte tag erscheinen würde, daran der alten vierer rechnung angehört und andere vierer erwelt werden, so sol kein gemeinsverwander ohne leibs oder herrn ehehaften5 ursachen auf die bestimbte zeit, nachdem er erfordert würdt, nicht aussen bleiben oder im fall solcher ehehaft einen verstendigen befehlshaber schicken, deren jeder in der fürfallenten gemeinsachen sein bedenken mit bester bescheidenheit anzuzeichen und guter ordnung, auch

[fol. 5r]

was der gemein am nutzlichsten ist, fürdern zu helfen schuldig sein solle, welches den einen jeden in sonderheit der gemein selbsten zum besten kompt.

Nit von der gemein bleiben

[§ 7] Im fall aber jemandt ohn ehehafte ursach nit erscheinen, auch seinen befehlshaber nit ordtnen oder das jemandt ohne erlaubnus von versamleter gemein abgehen würde, der sol umb 60 d., und welcher erst nach der bestimbten zeit der zusammenkunft ankommen umb 15 d. gestraft werden.

Wie sich bey der gemein zu ferhalten

[§ 8] Es soll auch in solcher zusammenkunft einer gemein keiner einig gefährlich wehr haben, auch der bauren keiner einig wehr, hackhen, creutzparten, bleykugel noch anders verborgen oder offendtlich bey ihnen haben, und keiner den andern flugen, lügen strafen, noch zu zorn und unwillen ursach geben. sich auch keines andern sach und handtlung nicht annemen. Noch vielweniger jemandt wider ein gemein stercken oder ein unbilligs mehrers begern wider das alt herkommen, sondern sollen gehorsam, still, fridlich und ainig sein. Keiner den andern in seiner mainung oder fürtrag uberschreyen, sondern sich bescheidenlich halten, alles und jedes sonderlich bey straff eines 1/2 fl. Und da die vierer sich dergleichen unterstehen und hierinnen fellig werden, sollen sie duplirte straf verfallen haben. Es mögte sich auch jemandt so ubermesich und unbescheiden erzeichen, eines e. e. Raths verordtnete landtpflegere würden verursacht werden, von herrschaft wegen ein gebürlich einsehen zu haben, damit solcher unbescheidenheit mit ernstlicher straf begegnet würde.

Gemeinweyer

[§ 9] Item mit dem gemeinweyer in der grosen Au gelegen, den man sonsten vor jahre auf ein zeit verlassen, soll es hinführo also damit gehalten werden, das ein gemein allda nach Walburgis darinnen grasen und ihr vieh darin gehen und treiben lassen und also ihren nutz darauß schaffe möge.

[§ 10] Item den bach in der Au, so viel der gemein daran zustendig, sol es damit wie von altershero noch gehalten werden.

Gemeinarbeit

[§ 11] Item wan von nöten sein wirdt, etwas an der gemein zu arbeiten, er [sic!] were mit ferschrancken, fergraben, auch an bächen und gräben fegen oder andere, das die vierer gebüten würden, so sol sich dessen, wan ihme geboten würdt, niemandt widersetzen, sondern selbst oder mit fergunst einer andern tüglichen arbeitsamen mansperson, die er auf sein kosten bestellen mag, zu geordneter zeit arbeiten, wie er beschieden ist, an der gemeinarbeit gebrauchen, bey straf jeder ferbrechung eines gulten.

Gemeinhirten

[§ 12] Den gemeinen schwein- und viehhirten sollen die ferordneten vierer mit wissen einer gemein zu ordenlichen zeiten aufnemen und dingen und was ihme an pfründgelt, getraith und andern fersprochen würdt, das soll ihm ohne abgang und mit guter

[fol. 5v]

wahr geleistet werden. Darauf jemandt in der gemein an entrichtung solches pfründtgelts und was ihme an befriedung des hirdens gebühren wolte seumig erscheinen würde, den sol sein vieh, solang die bezalung nicht beschicht, nit für den hirten oder zur waith geschlagen und er darzu umb 1/2 fl. gestraft werden.

[§ 13] Und soll mit den pfründen des viehs also gehalten werden, was 8 tag vor oder nach Walburgis an vieh bey einem jeden gemeinsferwanden vorhanden oder von frembten vieh in die gemein gebracht würde, das soll man schuldig sein alle 4 wochen pfründt dem hirten zu geben, und sollen solches die ferordneten kühevierer ferrichten. Und da jemandt sein vihe ferhalten und ferschweigen würde, der soll einer gemein von jedem stück 1/2 fl. zur straf geben, und wan es einen viehrer betreffe, der es nit angezeigt habe, der sol zwifache straf bezalen.

Hertorchs6

[§ 14] Es soll auch in dieser gemein ein tüglicher herthochs gehalten und einen jeden (darunder auch der Pucher alda verstanden werden soll), so ihn halten würdt, järlich 3 fl. Walburgis geben und darzu den Egelsee ferlassen. Wan es aber eines gelegenheit nit ist, mag mans auf den andern, dritten, vierten und fünften und also auf der reyhen herumb lassen anbieten. Und woher der gemeinhirth uber ein schnidling7 clagen würdte, sollen die kühevierer solches den verordeten [sic!] vierern anzeigen. Und die sollen mit dem, so der verschnitene ochs ist, ferschaffen, das er ihne, weil er das vieh stöst und beschedigt, hinweg thun bey straf eines gulten.

Ungesundt vihe

[§ 15] Es sol auch niemandt einig kalb oder kühe, so nit gesundt ist, auf die waith schlagen, bey straff 1/2 fl. Und so er herüber weider betreten würde, itzt gemelte straff doppelt bezalen.

Vor Walburgis nit hüten

[§ 16] Es soll niemandt seine roß auf die gemein lassen oder darauf hüten, ehe den solches durch die vierer einer gemein fergündt und erlaubt würdt, bey straff 1/2 fl. Aber ein jeder mag sein pferdt biß auf Walburgis auf die wisen schlagen und waithen. Deßgleichen auch sollen des andern viehs halben alle wisen in diese gemein zu den gütern zu Megeltorff und andern orth, wie von altershero ruhig gebraucht und herkommen ist, gehörig, biß 1 May offen, aber nach 1 May soll ein jeder, so auf wisen treiben oder hüten würde, ein 1/2 fl. straf verfallen sein.

Rützig pferdt

[§ 17] Jedoch rützigen und reutigen pferden ist alle waith ferpoten. Und wer ein solches pferdt wissendlich zur waith schlüg oder trübe, der sol 1 fl. straf bezalen.

[fol. 6r]

Nit mit dengelstümpfen8 mehen

[§ 18] Es sol niemandt auf dem gemeingrundt noch andern wiesen und im holtz mit den sensen oder dengelstümpfen mehen, bey straf eines fl. Jedoch ist das grasen unverpoten, welches graß in der gemein und denselben vieh zuguten bleiben soll. Wer aber graset und das graß auß der gemein trägt oder gibt, der ist von jeder farth 15 d. zu geben schuldig.

Ein andern nit uberackern

[§ 19] Es ist auch verpoten, das niemandt in der gemein den andern an seinen grünten wider die billigkeit und für sich selbst etwas entziehen oder benemen soll, weder zu torf oder zu velt, es sey mit reuten, überackern, übermehen oder andern, bey einer nemblichen straff 60 d. Und wan einer uber wissendtlichs wahre marck ackert und zeunet, der soll nach der gelegenheit der ferbrechung von den vierern des schadens halben abtrag zu thun gestraft werden, aber einen e. e. Rath als der obrigkeit ihr straf vorbehalten und unbenommen sein.

[§ 20] Item9 niemandt in dieser gemein soll macht haben, zwischen Walburgiß undt Michaelis weder uff seinen noch andern velte auch nit zu walte oder uffm reichsboden sein vieh sonderlich zu hüeten, bey straf eines guldens von jeder verbrechung, sondern sein vieh die bestimbten zeit für den gemainhürten zu schlagen schuldig seyn. Aber vor Walburgiß undt nach Michaelis ist die sonderbare huet uff eines jeden selbß grundt unverboten.

Es soll auch kein frembdter hirt oder schäfer vor Michaelis uff keinen ackher oder wiesen treiben, sonder sich desselben gäntzlichen enthalten bey obgemelter straf.

Ferhindern10

[§ 21] Item ein jeder in der gemain soll seine erbliche gründt und stuckh, die an die gemain stossen, verwahren und befrieden, das er und andere vor schaden versehen seyn. Da aber jemandt, an der gemain gelegen, durch solch sein nitvermachen aigner schadt durch das vieh geschehe, demselben soll man dafür nichts zugelten. Sondern im fall, durch solch sein verwahrlosen seiner nachtbarn und angelegenen einen ein schadt zugefüget würde, denselben soll er ihme nach erkandtnuß der vierer wiederumb zugelten oder abzulegen schuldig seyn.

[§ 22] Item was ein jeder in der gemain an den gemaintraiben11 für gründt, äcker und wiesen im nutz ligent hat, die soll er zu St. Görgen tag12 oder zum lengsten 3 tag hernach zu vermachen schuldig sein bey straf 1 fl. [§ 23] Was aber unbesäumbte welter weren, die sol niemandt bey 4 lib. straf nit fermachen noch ferstecken, sondern zu betreiben offen lassen.

[fol. 6v]

Zeun und landern13

[§ 24] Item es soll auch keiner in der gemein dem andern seine zeun oder landern weder zu torf noch velt aufbrechen, zerreisen und wegtragen. Anderst er müste von einen jeglichen spitzigen oder stumpfen zaunstecken oder von einer jeden landern, den er heim brechte oder außgerissen habe, einer gemein 4 lib. straf bezalen und seinen nachtbarn darzu den schaden ablegen.

Marckstein

[§ 25] Item wan ein marckstein in einer gemein ungefehr außgeworfen, umbgerissen oder darselbst umbgefallen und ferlohren würde und der anstosendt gemeinsverwande (alsbalt ers in erfahrung gebracht) solches der aigenherschaft nit anzeigen würde, der soll von jedem stein 2 lib. straf zu geben verfallen sein. [§ 26] Und damit die marckstein soviel desto mehr in gute achtung gehalten werden, so ist ietzundt ferordtnet, das hinfüro ein jeder gemeinsferwander, der an die gemein gründt stosendt hat, zu osterlichen zeiten oder 8 tag zuvor oder darnach zu jeden marckstein, soviel derselben an und zwischen grundt stehen, einen ansehnlichen pflocken schlagen und stehenlassen. Und welcher dem nicht nachkommen würde, der soll von jeden unverpflockten stein, der zwischen der gemein und seinen gründen stehet, 60 d. zur straf ferfallen sein. Wo aber die gemein außerhalb der gemeinsverwanden an andern orthen anstöser hetten, die dieser gemein nit einverleibt weren, sollen die vierer zu denselben steinen pflocken zu schlagen befehl haben, gute fürsehung zu thun, das einer gemein nichts entzogen werde.

Miststatt

[§ 27] Es soll kein einiger gemeinsferwander einige miststatt auf der gemein machen ohne sonderliche erlaubnus von vierern. Und da die vierer einen ein miststatt auf der gemein zu lassen und fergünstigen wolten, so soll solches dermassen beschehen, das durch solch mistschütt an der gemeinen strassen und weg nit ferhinderung bringen und sonderlich derselben grosen miststatt verpflocken lassen, damit man nit weider greiffe, also an der gemeinen gründt nichts abgehe. Und welchen also auf sein begeren ein miststatt von neuen fergündt würdt, der soll von solcher miststatt, solang er die gebraucht, 1 fl. järlich der gemein zu geben schuldig sein. Was aber alte miststett und lang gebraucht worden sein, die sollen unbelegt und unbeschwerth bleiben.

[fol. 7r]

Mistkauf

[§ 28] Es soll auch aller mist bey der gemein bleiben und niemadt frembtes ferkauft werden, es were denn, das solchen niemandt in der gemein zu kaufen begerete, als dann mag ein jedtweder den mist ferkaufen, wie er kan und wem er will und nicht eben, wie vor diesen beschehen, das futer umb ein gewises gelt zu geben schuldig und ferbunden sein.

Feuer

[§ 29] Item es soll niemandt weder bey tag oder nacht einig schleisen14, kühe- oder stroliecht in die ställ und städel tragen noch darbey arbeiten oder treschen. Da aber jemandt zu seinem vieh zu sehen, deme zu erwarten und eines liechts nottürftig, der sol solch liecht in einer latern und nit offen tragen und hinsetzen, bey straf 1 fl. Und wan jemandts fürbracht würdt, der auß einen andern hauß heuer geholt und dasselb nit ein einen häfelein oder zweyen stürtzen uber einander gedeckt getragen halte, der soll 30 d. zur bueß geben und zu bezalen ferfallen sein.

Gespünst dorren

[§ 30] Und damit soviel desto mehr feuersgefahr vorkommen und ferhütet werde, so soll ferboten sein, das niemandt flax oder hanf in der stuben oder auf der offen dörre, bey straf 2 fl. Es sollen auch die vierer sambtlich oder sonderlich macht haben zu denen zeiten, als man das gespünst zu dörren pflegt, zu den feurstetten zu sehen und die gefährlichkeit zu endern ferschaffen und dan die ubertreter diß gebots zur straf halten. Da aber jemandt in einen pachofen gespünst dörren wolte, das ist ihnen unbenommen, jedoch das derselb ein schaff mit wasser darzu setze, darbey auch fleisig achtung gehalten werden und in fall dasselb von leschens wegen (damit das feur nit weiders komme) herausgerissen würde und das feur über sich käme, der soll zur straf 1 fl. zu bezalen ferfallen sein.

Feuraymer

[§ 31] Item man soll in vorrath haben etliche lidere aymer15 und in der kirch ferwahren, deßgleichen feurhacken und laitern, welche järlich besichtigt werden sollen. Im fall was an denselben abgieng, anders widerumb könte erstattet werden.

Pronnen

[§ 33] Item der gemeinbrunnen soll wesendtlich und beulich gehalten und zur notturft fersehen werden, bey welchen auch niemandt ichts [sic!] ferderbliches oder schädtliches handeln oder fürnemen solle, anders er müst denselben schaden wandeln und darzu nach gelegenheit derselben ferwürckung gestraft werden umb 60 d.

Aichel

[§ 32] Es soll auch niemandt einige aichel in der gemein abschlagen, werfen oder reisen, sondern was von im selbst abfelt, das hat ein jeder macht bey tag zu klauben und heimzutragen und was ein jeder gemeinsferwander klaubt,

[fol. 7v]

das soll er für sich selbst ferbrauchen oder aber in der gemein umb ein billiges ferkaufen. Wer aber solches nicht thäte, der soll seiner ferbrechung halber umb 60 d. gestraft werden.

Bestendtner

[§ 34] Es soll auch niemandt, in der gemein ferwandt, einigen bestendtner oder haußgenossen ohn vorwissen und bewilligung seines aigenhern (an welchen der ferwanth sein soll) nit an oder einnemen. Und wo er, der aigenhere, bewilligt, so soll solches den vierern und gemein angezeigt werden, bey straf 1/2 fl. Und soll ein bestendtner macht haben, 2 kühe und darüber nicht zu halten, also das in einen haus nur 2 gehalten werden sollen. Wo aber einer uber 2 halten würde, soll er jedesmals 1/2 fl. straf geben, aber ein guet soll nicht höher dan mit einen oder nach gelegenheit desselben auf das höchst mit 2 bestendtnern besetzt und ein gemein mit solchen uberflissigen bestendtnern, sonderlich mit den abgedanckten soldaten und andern, so ein zeithero heimlich und aigenes gewalts sich eingeschlaicht und mit grosen merklichen schaden der gemein alda eingewurtzelt, nit ferner beschwerth werden. Wan auch ein bestendtner oder anderer in der gemein einzicht, das derselbig, so es ein mansperson oder paar ehevolck ist, ein reichsthaler aber ein einige weibsperson oder wittib ein 1/2 reichsthaler in die gemein zu geben schuldig sein soll. [§ 35] Insonderheit soll sich auch ein jeder gemeinsferwander gäntzlich allerdings enthalten, unbekante und ferdächtige leuth nit zu hausen oder unterschlaif zu geben, alles bey straf 4 lb. alts.

Gräben

[§ 36] Es soll auch ein jeder beerbter oder ansesiger zu Megeltorff seine gräben imer 14 tag nach Walburgis fegen, bey straf 63 d.

Roß

[§ 37] Es soll sich auch ein jeder gemeinsverwander dahin befleisen, das er umb ortenliche zeit, so von den vierern ernandt würdt, die roß zu frü umb den garaus16 auf die waith zu schlagen und abendts vor den garauß wider herein zu holen, ohne einigen schaden der gemein, bey straf 1/2 fl.

Straf in 8 tagen zalen

[§ 38] Wan nun jemandt hievor gesetzten artickeln strafbar erfunden und ihm die straf auferlegt und angezeigt würdt, der oder dieselben sollen schuldig sein, in 8 tagen den nechsten die straf den vierern zu erlegen. Wo aber das nit beschehe, so sollen ihme und den seinen, auch ihrem vieh, die gemein

[fol. 8r]

nutz solang ferboten sein, biß er dieselben straf zwifach verbracht und bezalt hette. Und so einer gerucht oder gestraft würdt, es seye wer der wölle, und solche straf in 8 tagen den vierern nit bezalt, der soll uber die gemelte zeit doppelte straf schuldig sein zu geben, ohne alle nachlaß von ihme genommen werden.

[§ 39] Solch strafgelt und was einer gemein von andern gemeinen nutz gefelt und würdt, das sollen die vierer fleisig zusammen halten und in einen ferschlossenen trühlein, das sonderlich hierzu ferordtnet ist und keiner ohne den andern aufsperren mag, ferwahren und darvon nichts vertrincken oder ferzehren noch unnotwendiger weiß in anderwegen außgeben, sondern allein einer gemein zum besten und derselben zu nutz und frommen damit zu ferordtnen, behalten und anwenden ohne geverthe. Derowegen sie auch järlich rechnung und uberantwordung zu thun schuldig sein sollen.

Was den sunsten andere gemeine notturft und ordtnung fürzunemen sein werden, das mögen die vierer jedesmals nach gelegenheit handeln und darob halten und sonderlich in alleweg daran sein, das diese ordtnung in ihren würdten gehandthabt werde, darzu eines e. e. Raths als die obrigkeit ferordnete landpflegere ihr billige handtreichung auch thun und sich dessen alles also zu geschehen entlich ferlassen wöllen.

Und behalten mehr ehrngedachte landtpflegere von einen e. e. Rats der statt Nürnberg als dieses torffs gemeinherschafts wegen, ihnen hiemit bevor, diese gemeinordtnung in künftig zeit zu bessern, zu mindern und zu handlen, was jedesmahls die notturft und gelegenheit zu sein erfordern würdt.

Die let

[fol. 8v]

Der vierer pflicht17

Es sollen die, so von einer gemein zu Mögeldorff zu vierern erkiest werden, an eines geschwornen eidts statt angloben, daß sie zuvörderst eines e. e. Raths der stadt Nürmberg als der gemein oberherrschaft verordneden herrn landtpflegern, auch einer gemaindt zu Mögeldorff getreu seyn und derselben schaden vorkommen und nutz und frommen fürdern wollen, soviel müglich ist. Daß sie auch einer gemein treulich vorgehen und die gemainordnung halten und handthaben, auch die gemainen nutz einer gemein zum besten anwenden, von den verbrechern der ordnung und satzung die straf ohne einigs nachlassen einbringen und solch gelt in die gemaintruhen fleisich verwahren, davon ohne der gemein vorwissen und befehl nicht ausgeben, sondern allein der gemein nutz mit schaffen. Darumb sie auch zu der geordenten zeit ein jahr ihr ordentliche rechnung und verantwortung zu thun schuldich sein sollen. Daß sie auch mit verlassung des gemeinweyers zu jeder zeit einer gemaindt zum besten handeln und allerdings thun wollen, daß getreuen vorstehen einer gemein gebührt treulich und ohne geferte.

Dessen zu wahren uhrkundt auf steter und vester haltung jetzt nach langs erzehlten puncten haben wir, eingangs ernante landtßpflegere, unser landpflegamts gemein insigel hieran gehangen und geben. Dienstags den 13 Decembris anno 1625.


F u ß n o t e n

8 Denkelstumpf = größe Sichel, dei wie eine Sense mit dem Dengeleisen geschärft werden muss. Im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm wird beim Stichwort "Dengeleisen" sogar die Mögeldoerfer Gemeindeordnung als Quellenbeleg für diesen Ausdruck zitiert!
9 Dieser und die folgenden beiden Absätze sowie die erste Zeile des danach kommenden Absatzes sind im Original von anderer Hand geschrieben. Daher ist die Schreibweise mancher Wörter vom Rest des Textes abweichens (beispielsweise "uff" statt "auf"). Dieser Umstand lässt den Schluss zu, dass der Text der Gemeindeordnung diktiert wurde (vermutlich im Nürnberger Landpflegamt) und der hauptsächliche Schreiber eine kurze Pause einlegte - anders ist der Handschriftenwechsel mitten in einem Abschnitt kaum erklärlich. Der zweite Schreiber verzichtete auf die Randglossen, die als Überschriften dienen, nur in einem Fall trug der Hauptschreiber diese nach. Vom Hauptschreiber stammt auch der größte Teil des restlichen Textes, allein der letzte Abschnitt wurde von dritter Hand geschrieben.
10 Diese Überschrift ist vom Hauptschreiber nachgetragen worden, obwohl der Absatz komplett von der zweiten Schreiberhand stammt.
11 Hier endet der zweite Schreiber, und mitten im Satz schreibt wieder der Hauptschreiber weiter.
12 St. Georg, 23. April. Die an die Grundstücke, die zum gemeindlichen Viehtrieb dienen, anstoßenden Ländereien müssen also eingezäunt oder vermacht sein, bevor an St. Walburgis (30. April) der Gemeindehirte mit dem Vieh wieder in die Fluren geht.
13 Holzplanke.
14  Span.
15  Lederne Eimer.
16 Garaus = Ende der Nacht und Ende das Tages.
17 Dieser Abschnitt ist von einer dritten Hand geschrieben.

1 Stadtarchiv Nürnberg A 26, Rep. 100g, Nr. 241, Schriftstück 1.

2 Stadtarchiv Nürnberg A 26, Rep. 100g, Nr. 241, Schriftstück 2.

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