Die Entwicklung der Abwasserbeseitigung im Nürnberger Ortsteil Mögeldorf

Dieter Lauer, Nürnberg 2002

Vorbemerkungen

Im Jahr 1874 wurde in Nürnberg mit dem Ausbau einer modernen Stadtentwässerung begonnen1. Selbstverständlich gab es seit dem Bestehen der Nürnberger Ursiedlung auch schon eine Ableitung der anfallenden Niederschlagswässer und eine Entsorgung der Fäkalien, aber dies lief mehr oder weniger ungeordnet ab und führte oft zu Mißständen oder Epidemien2. Mit der Entwicklung zur Industriestadt und der vehementen Ausweitung der Stadtgrenzen war aber eine ordnungsgemäße Entwässerung und Entsorgung nicht mehr gewährleistet, so dass für die Problemlösungen ganzheitliche Konzepte entwickelt werden mußten.

Da es im 19. Jahrhundert noch kaum wissenschaftliche Grundlagen für die Bemessung von Abwasserkanälen gab, entwickelte das Stadtbauamt in Abstimmung mit anderen Städten im Jahr 1874 ein eigenes für Nürnberg gültiges Bemessungswerk3. Neben diesen Berechnungs-Tabellen entstanden im gleichen Jahr auch die ersten Betonrohrkanäle, die dann im Lauf der Zeit in das ständig wachsende Abwasserkanalnetz eingebunden wurden.

Zug um Zug entstanden große Sammelkanäle, um das anfallende Abwasser aus den Wohn-, Gewerbe- und Industriegebieten abzuleiten und letztlich den Kläranlagen zuzuleiten. Gostenhofer Sammler, Sebalder Sammler, Lorenzer Sammler, Südlicher Hauptsammler, Nördlicher Hauptsammler, Südwestlicher Hauptsammler, um nur die wichtigsten zu nennen, drangen weit bis in die Nürnberger Außenbereiche vor4.

Der Ostsammler

Der letzte Hauptsammler, der bestehende, umfangreiche Siedlungsgebiete für das Kanalnetz erschloß und damit an das Klärwerk I anband, war der Ostsammler, der Mögeldorf und einen Großteil von Laufamholz entwässert. Der Bau dieses Kanals wurde 1960 mit der Unterquerung des Pegnitztales zwischen Sebastianspital im Norden und Apinusstraße im Süden begonnen5. Von hier aus entstand der Sammler Haltung für Haltung unter der Wagenseilstraße, der Ostendstraße, der Thusneldastraße, der Gleißhammerstraße, der Mögeldorfer Hauptstraße, einem Stück der Schmausenbuckstraße, nochmals der Ostendstraße und dann weiter der Laufamholzstraße folgend in östlicher Richtung. Mit dem Anschluß von Laufamholz und der Freilandsiedlung war der Ostsammler dann nach rund zwölfjähriger Bauzeit im Jahr 1972 fertig gestellt.

Zur weiteren Anbindung des Ostsammlers an das Gesamtkanalnetz wurde im Rahmen der Baumaßnahmen für den Wöhrder See ein doppelrohriger Düker parallel zur neuen Flußstraße gebaut. Zusammen mit dem Verbindungskanal unter der Mögeldorfer Hauptstraße, zwischen Schmausenbuckstraße und Flußstraße, konnte eine wirksame Entlastung des Ostsammlers zum Pegnitztalsammler geschaffen werden6.

Neben dem Bau des eigentlichen Ostsammlers wurden natürlich auch Nebenstraßen erschlossen und angebunden, so daß in Mögeldorf ab etwa 1980 von geregelten, modernen Abwasserverhältnissen ausgegangen werden kann.

Die historische Entwässerung

Selbstverständlich wurden die Mögeldorfer Siedlungsbereiche auch schon vor dem Bau des Ostsammlers entwässert. Beim Ortskern um den Kirchenberg war dies leicht zu bewerkstelligen, hier konnte das Regenwasser einfach mehr oder weniger geregelt ins Pegnitztal abfließen. Bei später hinzugekommenen Siedelbereichen war die Entwässerung dann aufwendiger. Sie wurde dort, je nach Möglichkeit, mit punktuellen Maßnahmen so gut es ging bewerkstelligt.

Im wesentlichen läßt sich diese entwässerungstechnische Entwicklung in folgende Bereiche aufteilen:

 a) Mögeldorfer Ortskern
 b) Schmausenbuckstraße
 c) Ebensee
 d) Ostendstraße/Wagenseilstraße

Zur Erschließung der Villenkolonie Ebensee, mit der ersten um 1907 gebauten biologischen Kläranlage Nürnbergs, gibt es bereits eine ausführliche Abhandlung7, so daß hier nicht mehr näher darauf eingegangen zu werden braucht.

Bei der historischen Entwicklung ist am Anfang die Entsorgung des Regenwassers und die der Fäkalien getrennt zu betrachten. Häusliches Abwasser und die darin enthaltenen Feststoffe wurden in Abort- oder Mistgruben gesammelt, um dann später als Düngung für die Landwirtschaft genutzt zu werden.

Dagegen mußt das Niederschlagswasser so abgeleitet werden, dass Straßen, Plätze, Höfe usw. in einem nutzbaren Zustand blieben. Mit der Zeit wurden jedoch zunehmend häusliche und gewerbliche Abwässer im gleichen Kanal wie das Regenwasser abgeführt, so dass eine Mischkanalisation entstand, wie sie heute auf rund 85% des Nürnberger Stadtgebietes anzutreffen ist.

Der Mögeldorfer Ortskern

Natürlich läßt es sich heute nicht mehr genau nachvollziehen wie das Regenwasser von den Mögeldorfer Straßen und Anwesen in Rinnen und Gräben abgeleitet wurde. Ein solches System war im Lauf der Jahrhunderte gewachsen. Fand das Wasser seinen Weg nicht alleine, oder gab es Mißstände, dann halfen die Einwohner mit Augenmaß, Verstand und Tatkraft nach, bis sie mit den so geschaffenen Verhältnissen zufrieden waren.

Für den eigentlichen Ortskern standen zur weiter führenden Entwässerung zwei Vorfluter zur Verfügung. Im Norden war dies die Pegnitz und im Süden der Grübengraben8, welcher früher einmal zum Zeltnerweiher hinabfloß9.

Der erste Anlaß für eine verrohrte, unterirdische Kanalisation im noch selbständigen Ortsteil Mögeldorf war wohl der Bau der „Königlich Bayerischen Ostbahn„, mit dem Bahnhof Mögeldorf. Mit den Arbeiten wurde ab 1854 begonnen und am 23. August 1858 konnte die Strecke in Betrieb genommen werden10. In der Folgezeit weitete sich das Dorf nach Süden aus, um nach und nach die Lücke zwischen Altort und dem Bahnhof zu schließen. 

Fortsetzung im Dezember

 

Stadtentwässerungsbetrieb Nürnberg (StEB): Alles klar! Jubiläumsfestschrift zum 125-jährigen Bestehen der Stadtentwässerung Nürnberg, 1874-1999, Nürnberg 1999
Just, Heinz-Michael: Abwasser als Hygieneproblem menschlicher Ballungszentren,  in: StEB, Alles Klar!, a.a.O., S. 11 f
3 Lauer, Dieter: Vorarbeiten zur Nürnberger Kanalisation - erste Betonprofile in Nürnberg, in: StEB, Alles klar!, a.a.O., S. 16 f
Lederer, Christine: Die Entwicklung des Nürnberger Kanalnetzes, in: StEB, Alles klar!, a.a.O., S. 25 f, Übersicht S. 29
Stadtentwässerungsbetrieb (StEB): Ostsammler, Bauakte, 800-22-02/04
6 StEB: Stauraumkanal Wöhrder See, Bauakte, 800-22-02/9-1
Lauer, Dieter: Die Kläranlage Ebensee am Ende der Schilfstraße in Nürnberg-Mögeldorf, (unveröffentlicht), Nürnberg, 2000.  
8 Nach dem Gewässerplan des 1:15.000 des Tiefbauamtes der Stadt Nürnberg, Stand 1988, heißt das südlich der Bahnlinie noch in Reststücken an der Blütenstraße nachvollziehbare Gewässer offiziell „Grübengraben„. Bei Flierl Franz: Mögeldorf, seine Geschichte, seine Straßen, Arbeitsgemeinschaft für Belange und Geschichte Mögeldorfs e.V., Nürnberg, 1985, wird dieser Graben auf Seite 47 als „Egelbach„ bezeichnet. Im Rahmen dieses Aufsatzes wird die offizielle Bezeichnung „Grübengraben„ weiter verwandt.
9  Bayerisches Landesvermessungsamt: Topographischer Atlas vom Königreich Bayern, 1:50.000, München 1841, Blatt 34, Nürnberg, Nachdruck 1983
10  Beyer, Leo: Alt-Mögeldorf – Heimatgeschichte, Nürnberg, 1952; Nachdruck in „AltMögeldorf„, 1978 bis 1982, S. 150
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letzte Änderung: 17.06.04