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NetCity Nürnberg (NCN)

  

 

Smarte Informations- und Kommunikationstechnologien werden mehr und mehr zum Modernisierungskatalysator in den Kommunalverwaltungen. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Nürnberg eigens eine Initiative ins Leben gerufen, um deren Einsatz zu forcieren und gezielt zu steuern.  

 

Der Veränderungsdruck in den Stadtverwaltungen war in den letzten Jahren enorm hoch und wird auch auf absehbare Sicht kaum abnehmen. Wachsende Ansprüche der Bürgerschaft, die einem begrenzten städtischen Haushalt gegenüber stehen, ein zunehmender Wettbewerb um die „klügsten Köpfe“ und um die Ansiedlung von zukunftsfähigen Unternehmen sowie die Umsetzung der Energiewende sind nur einige der Entwicklungen, denen sich Kommunen gegenwärtig gegenübersehen.

 

In Nürnberg stellt sich eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, bestehend aus IT-Experten, Organisationsfachleuten, Wirtschaftsvertretern und Marketingstrategen dieser Dynamik. Als „Think Tank“ der Verwaltung agierend, hat die Arbeitsgruppe das Ziel ausgegeben, den zukünftigen Herausforderungen der Stadtgesellschaft Nürnbergs mittels intelligenter Informationstechnologien begegnen zu wollen. Eigens hierfür wurde eine Wortmarke geschaffen: „NetCity Nürnberg“ lautet konkret die Projektbezeichnung, die künftig IT-basierte Vorhaben sichtbar machen und die Kompetenz der Stadt Nürnberg als ITK-Standort herausstellen soll. „Wir sehen in der IT-gestützten Vernetzung endogener Potentiale einen wesentlichen Erfolgsfaktor für die Prosperität unserer Stadt. Dies soll sich auch in der Namensgebung des Vorhabens wiederspiegeln“, bemerkt Dr. Christian von Dobschütz, Leiter der Arbeitsgruppe.

 

Zunächst wurde im Herbst 2010 damit begonnen, bedeutsame Felder städtischen Handelns zu identifizieren, die von strategischer Bedeutung für Nürnberg respektive die Stadtverwaltung sind und die, durch den Einsatz „smarter“ IT-Instrumente, zugleich eine signifikante Fortentwicklung erwarten lassen. Entsprechend ihrer Wirk-richtung wurden selbige in „Verwaltungsorientierung“ und „Bürger- und Unternehmensorientierung“ unterteilt.

 

Auf diesem Arbeitsschritt aufbauend wurden sodann sechs anwendungsbezogene Vorhaben priorisiert, die es gilt, bis Ende 2014 umzusetzen.

 

So soll, erstens, das Beteiligungsinstrument der „E-Partizipation“ in der Nürnberger Stadtverwaltung regelmäßig, und vor allem standardisiert, zum Einsatz kommen. Nachdem bereits im Zuge der Lärmaktionsplanung eine aktive Mitwirkung der Bürgerschaft im Netz ermöglicht wurde, sollen weitere Partizipationsverfahren in Bälde folgen. Um hierbei, technisch wie inhaltlich, Lerneffekte für die Verwaltung und Wiedererkennungseffekte für die Stadtbevölkerung generieren zu können, soll dies in Zukunft auf Grundlage eines eigenen eP-Leitfadens erfolgen. Dieser wird derzeit mit Unterstützung externer Berater erarbeitet und soll Mitte des Jahres durch den Stadtrat verabschiedet werden.

 

Neben den neu erwachten Beteiligungswünschen der Bürger soll überdies der verstärkt geforderten Transparenz im öffentlichen Verwaltungshandeln Rechnung getragen werden. Daher verfolgt NetCity die Entwicklung eines dreistufigen Open-Data-Konzeptes. In Phase 1 ist angedacht, die Bereitstellung von Rohdaten in maschinenlesbarer Form dezentral auf den bestehenden städtischen Miniwebs zu forcieren und zugleich eine zentrale Informationsseite „Open Data Nürnberg“ mit Links zu den dezentralen Datenbeständen aufzubauen. Phase 2 sieht die Bereitstellung der maschinenlesbaren Rohdaten in unterschiedlichen Ausgangsformaten auf einem hochverfügbaren und zentralen Speicherplatz vor. In Phase 3 soll schließlich eine automatisierte Übernahme der unterschiedlichen Dateiformate und Objektstrukturen in ein normiertes Datenprotokoll (z.B. Open Data Protocol) gelingen.

 

Mit Blick auf die Überlegungen zur Teilhabe (E-Partizipation) und Transparenz (Open Data) gilt es die offene Kommunikation zwischen Verwaltung und Öffentlichkeit durch eine dritte Säule, nämlich der Implementierung eines Anliegenmanagements, zu flankieren. Ziel dabei ist es, der Bürgerschaft die Möglichkeit zu geben, via PC, Tablet oder Smartphone Anliegen ortsbezogen und öffentlich sichtbar der Stadtverwaltung vorzutragen. An dieser ist es sodann, sich um das Anliegen zu kümmern und, gleichfalls öffentlich, Rückmeldung ob des Bearbeitungsstandes zu geben.

 

Aber nicht nur die Bürgerschaft soll durch die Projekte von NetCity profitieren, sondern auch die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Wir beschäftigten uns gegenwärtig mit der Einrichtung eines sog. webbasierten Personalserviceportals. Jedem städtischen Mitarbeiter könnte dann ein eigener Account zugewiesen werden, über den er Urlaubsanträge stellen, Kontoänderungen mitteilen oder seinen Gehaltszettel ausdrucken kann – auch von zu Hause aus“, blickt die NetCity-Teilprojektleiterin Brigitte Schmidt in die Zukunft. Mit einer einfachen und übersichtlichen Benutzeroberfläche ausgestattet, sollen künftig personalwirtschaftliche Vorgänge vereinheitlicht und beschleunigt werden. Davon würden Arbeitnehmer wie Arbeitgeber profitieren, ist sich Schmidt sicher. „Durch den Zugriff der Mitarbeiter auf eigene Daten sind diese stets auf aktuellem Stand und das Personalamt könnte zudem von gewissen Teil-aufgaben entlasten werden. Zugleich werden die Mitarbeiter in ihrem Arbeitsalltag nachhaltig durch ein bequemes Antragswesen, digitale Genehmigungsprozesse und ein smartes Urlaubs- und Zeitmanagement unterstützt.“

 

Unerlässliche Infrastruktur für alle Projekte von NetCity sind hochleistungsfähige Breitbandnetze. Zwar erfolgt der Ausbau der Breitbandinfrastruktur im Wettbewerb durch private Anbieter. Die Kommune kann aber dort, wo eine ausreichende Versorgung mit Breitbanddiensten mittelfristig durch marktwirtschaftliche Kräfte nicht zu realisieren ist, eingreifen und Rahmenbedingungen schaffen, um die Investitionsbereitschaft privater Anbieter zu erhöhen. Daher ist es Ziel Nummer fünf von NetCity, Rahmenbedingungen zu schaffen, um hochleistungsfähige Breitbandanschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Mbit/s über Fest- oder Funknetze stadtweit zu garantieren. Dazu soll auf städtischer Seite zunächst ein wettbewerbsübergreifender Überblick zur existenten Kommunikationsstruktur geschaffen werden, um darauf aufbauend, die Informationen an einer zentralen Stelle innerhalb der Stadt Nürnberg zusammenzuführen und fortan als Intermediär des Breitbandausbaus aufzutreten.   

 

Schließlich soll mit Vorhaben Nummer sechs das touristische Angebot der Stadt Nürnberg IT-gestützt präsentiert werden. „Wir erarbeiten derzeit ein Konzept zur Anbringung von QR-Codes an wichtigen Nürnberger Sehenswürdigkeiten“, umreißt Robert Hackner, Leiter des Online-Büros, die Zielsetzung des Teilprojekts. „Wer mit Smartphone oder Tablet ausgestattet ist, kann sich durch Nürnberg führen lassen und an definierten „Points of Interest“ vielfältige Informationen, Bilder und Videos abrufen.“ Neben dem touristischen Aspekt verfolgt die Stadt mit dem Projekt freilich auch Stadtmarketingziele. So soll den Gästen gezeigt werden, dass (NetCity) Nürnberg ein attraktiver High-Tech-Standort und lebenswerter Wirtschaftsstandort ist.   

 

Wolfgang Köhler ist Referent

für Personal- und Organisation

bei der Stadt Nürnberg

 

 

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Letzte Änderung: 24.01.2014