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Fahrt zur Landesausstellung in Schweinfurt am 21.09.2013

An einem schönen herbstlichen Samstag – am 21. September – begab sich der Bürger- und Geschichtsverein e. V. wieder auf seine Tour zur Bayerischen Landesausstellung. Dieses Jahr führte uns der Besuch nach Schweinfurt. Das Programm sah zunächst den Besuch der Ausstellung vor.

 

Diese findet im ehemaligen städtischen Sachs-Bad statt. Wir stellten uns also vor, wie wir durch das ehemalige Schwimmerbecken, das Nichtschwimmerbecken und die Duschen bzw. Unkleideräume stiegen. Die Ausstellungshalle zeigt sich modern und bringt in verschiedenen Stationen den Besuchern einen Einblick über die Geschichte und die Bedeutung des Flusses Main. Der Main, dessen Flussrichtung von Ost nach West verläuft, gehört zur fränkischen Identität. Für viele ist er auch identisch mit dem „Weißwurstäquator“. Er hat eine Länge von 530 km, seine Namensherkunft bleibt unerklärt. Die Römer nannten ihn „moenus“, was so viel wie der „nasse Limes“ bedeutet. So ist auch das erste zu sehende Exponat ein Weihestein aus dem Jahre 192 n. Chr.

 

Ein ca. 20 Meter langer Gang – eine Art Wellenwand – führte uns weiter, vorbei an einem Riesenkopf eines Welses, einem Herren-Badeanzug aus der Jahrhundertwende. Einen kleinen Blick auf die Kunst wagten wir auch: Leider war unser Nürnberger Genie, Albrecht Dürer, nicht vertreten, obwohl er nachweislich einige Mal den Main besuchte und sich auch über die 33 Zollstellen, die er passieren musste, beklagte. Der Main war aber für viele Künstler ein lohnendes Motiv.

 

Wer Main sagt, denkt auch immer an den Wein. Das Maingebiet war schon immer in der Geschichte ein sehr großes Weinanbaugebiet – die Weine waren stets sehr geschätzt. So grüßte uns auch der Heilige Urban, der Schutzheilige der Winzer, erkennbar durch die Weintraube in seiner Hand. Wein war das Getränk des Mittelalters, erst später kam dann Bier als Konkurrenzgetränk hinzu. Weinanbau ist und war schon immer eine harte Arbeit, besonders dann hart, wenn die Ernte durch Schädlinge wie die Reblaus beeinträchtigt wird. Ein vergrößertes Modell zeigte diesen Parasiten von seiner hässlichen Seite. Um 1550 waren es 40.000 ha Anbaugebiet, 1960 waren es nur noch 2.000 ha, heute sind es immerhin wieder 6.300 ha. Buntsandstein, Muschelkalk und Keuperboden sind die Böden, auf denen der Mainwein gedeiht. Auch die besondere Flaschenform – der sog. Bocksbeutel – hat das stolze Alter von 250 Jahren.

 

 

Station 4 beschäftigt sich mit dem Thema „Der Lebensspender“ und stellt fest, dass der Main die Lebensader Frankens ist. Das war nicht immer ohne Widerspruch, denn um 1900 war er fast schon eine Kloake, da die Großstädte und wachsende Industrie ihre Abwässer in den Fluss leiteten. Ab 1970 verbesserte sich die Wasserqualität aber nachhaltig und auch das Fischsterben ließ nach. In computer-animierten Aquarien konnte man den verschiedenen Fischen, die im Main leben, nachgehen. Überraschend ist, dass im Mittelalter Lachse im Main beheimatet waren. Durch die Staustufen wurde deren Lebensgrundlage zerstört, sodass es heute keine Lachs mehr im Main gibt.

 

Welcher Nürnberger kennt ihn nicht, den „Alten Kanal“, den Ludwigskanal, den Ludwig I. 1826 als Projekt wieder aufnahm. Die „fossa carolina“ war der Ursprung dieses Kanals, ein Bauvorhaben, das Karl der Große durchgeführt hatte. Die erste deutsche Eisenbahn, die im Jahre 1835 von Nürnberg nach Fürth, löste diesen Weg des Transports dann aber ab. In den 80er Jahren baute die bayerische Landesregierung den alten Kanal aber weiter aus, sodass u. a. nicht nur in Nürnberg oder Würzburg, sondern auch in Schweinfurt Kreuzfahrtschiffe anlegen. Nun birgt ein Fluss auch immer wieder Schätze, die auch in dieser Ausstellung unter dem Thema „Der Geheimnisträger“ gezeigt werden, so ein Schwert aus der Bronzezeit oder auch Arbeitsgeräte. Makaber sicherlich menschliche Totenschädel, deren Herkunft evtl. von Hochwasserkatastrophen herrührt. Natürlich wurde der Fluss auch immer als Müllhalde missbraucht. Schöner hingegen ist es eine Muschel mit Perle zu sehen. Es gab so viele Muscheln, dass die Fürsten das Sammeln von Perlen unter ihre Führung nahmen, um eine weitere Einnahmequelle zu haben. Flussperlen benötigen ca. 70 Jahre, bis sie eine strahlende Schönheit sind. Perlen stehen auch immer für ein gesundes, sauberes Gewässer.

 

Dass die Bayern zu den Seefahrern gehören, wird spätestens durch die Station 7 bewiesen. Bilder von Schiffen, die mit dem Kürzel „SMS“ firmieren, dazu mit bayerischen Namen, u. a. auch SMS Nürnberg, waren zu sehen. Übrigens: Wer rätselt, was „SMS“ bedeutet: Seiner Majestät Schiffe. Um 1870/1880 wurde der Matrosenanzug modisch aktuell, aber 1900 war die Flottenbegeisterung riesig. Die Marinebegeisterung endete 1919, also nach dem Ersten Weltkrieg. Besonders beeindruckend ist die Darstellung des Schicksals des Containerschiffes München, das 1978 durch eine Monsterwelle unterging. Die gesamte Mannschaft kam ums Leben, auch die Ehefrau eines Matrosen, die mit ihrem Mann Weihnachten an Bord feiern wollte. Aber nicht nur die Naturgewalten des Meers können grausam sein, auch der Fluss kann zu Elend und Not der Menschen führen. Hiervon zeugen Hochwasser, eines fand 1784 in Schweinfurt statt: Einem eisigen Winter folgte im Februar ein Dauerregen und eine Wärmewelle, die dafür sorgten, dass es zu einem gewaltigen Hochwasser kam.

 

Aber auch Erfinder gab es: Wilhelm Bauer, ein Bayer, erfand das erste deutsche U-Boot. Sein 1850 vorgeführter „Brandtaucher“ gilt als Vorläufer der modernen Unterwasserfahrzeuge. Der „Brandtaucher“ ging aber 1851 bei seinem ersten Tauchgang in Kiel unter. Wohl wegen eines Konstruktionsfehlers sank das „U-Boot“. Der Erfinder starb 1875 verarmt in München. Weitere Schicksale, die mit Fluss und Meer verbunden sind, haben mit der Auswanderung zu tun. Mit dem Zugang zum Meer muss man auch an die vielen Auswanderer denken. Atlantiküberquerungen waren keine erholsame Kreuzfahrt. Beengte Verhältnisse und schlechte hygienische Bedingungen, Atlantikstürme setzten allen zu.

 

„Tatort Fluss“ – Station 8 beschäftigt sich damit. So sieht man einen „Leichenrechen“, mit dem man den Flussboden „durchrecht“, um alles Mögliche, u. a. aber auch Leichen, an das Tageslicht zu befördern. Ein Autowrack zeigt auch auf, dass man durch das Versenken des eigenen Wagens sehr wohl einen Versicherungsbetrug begehen kann ...

 

Der Main kann aber auch Arbeitgeber sein. Station 9 beleuchtet dies sehr anschaulich: Fischer, Sandschöpfer, Flößer, Schiffmüller und auch Gerber werden in ihrem Handwerk gezeigt. Die Kranenknechte, die wie Hamstern vergleichbar, in einem Rad treten mussten, damit sich ein Kran nach oben bewegen konnte, hatten ein sicherlich hartes Leben.

 

Den Schluss der Ausstellung bilden Überlegungen für die Zukunft. Hier wird auch schon darauf hingewiesen, dass es der Firma Siemens gelungen ist, aus Kloakenwasser Trinkwasser zu gewinnen. Für Staaten in Afrika oder auch in Singapur arbeiten solche Aufbereitungsanlagen mit dem Namen „Skyhydrant“, von denen eine zu sehen ist, schon mit Erfolg. Kein Erfolg war dem „Volks-U-Boot“ beschert. Der Gedanke, dass jeder Bürger neben seinem Volkswagen auch sein Volks-U-Boot besitzen sollte, bewegte im Jahre 1964 Graf Hagenburg. Der Wunsch der „totalen Freiheit vom Ich“ blieb Vision. Nach diesem Ausstellungsbesuch stärkten wir uns im Ebracher Hof, der auf eine historische Vergangenheit zurückblicken kann.

 

Gleich gegenüber befindet sich ein sehr bedeutendes Museum – die Sammlung Georg Schäfer. Der Bau allein ist schon ein architektonisches Meisterwerk, geschaffen von Volker Staab, der u. a. auch das Neue Museum in Nürnberg geschaffen hat. Wir besichtigten die Ausstellungen, u. a. die umfangreichste Sammlung von Bildern des Malers Carl Spitzweg.

 

Danach brachen wir zu einem Stadtrundgang auf, der uns u. a. zum Marktplatz mit dem schönen Renaissance-Rathaus führte. Mitten auf dem Marktplatz steht das Denkmal für den Dichter Friedrich Rückert, der u. a. mit seinen „Kindertotenliedern“, die von Mahler vertont wurden, bekannt wurde. Er sprach übrigens – und das beeindruckt – 44 Sprachen fließend. Zurück zur Stadtgeschichte: Die Stadtgründung geht auf das achte Jahrhundert zurück. Es gab eine Ansiedlung direkt am Fluss. Das „1. Schweinfurter Verderben“ war ca. 1250 – durchgeführt vom Grafen von Henneberg und den Herren der Stadt Würzburg. 1282 verlieh Rudolf von Habsburg der Stadt den Titel einer Freien Reichsstadt. Die Stadt wurde wieder aufgebaut und erlebte 1554 das „2. Schweinfurter Verderben“. Sie war zu 50 bis 80 Prozent zerstört. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) waren sowohl Wallenstein als auch Gustav Adolf in Schweinfurt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde auch Schweinfurt bayerisch. Dann ging es mit der Industrialisierung los, die Schweinfurt bis heute prägt. Der letzte große Niedergang der Stadt ist mit dem Bombardement im Zweiten Weltkrieg verbunden: Am 24. Febr. 1945 bombardierten die Amerikaner Schweinfurt dreimal. In der Nachkriegszeit hatte Schweinfurt lange Zeit das Image einer hässlichen Industriestadt. Das hat sich gewandelt: Sie präsentiert sich nun als offene, der alten Bausubstanz verbundene und in Verantwortung stehende Stadt. Alte Bauten werden wieder errichtet und einer Nutzung zugeführt. Der Rüffelturm, auch Schrotturm genannt, ist ein Beispiel dafür. Der Turm war ehemals ein Zeichen für Reichturm, hatte sich doch ein reicher Mann den Turm an sein Anwesen gebaut und war so neben dem Kirchturm und dem Rathaus der höchste Bau in der Stadt. Später wurde dort Schrot produziert, der Turm wurde daher in seiner Höhe verdoppelt. Die „Zürch“ ist der älteste Stadtteil, durch den immer wieder Gäste von den Kreuzfahrtschiffen in die Stadt kommen.

 

Nach diesem schönen Stadtrundgang hatten wir noch genügend Zeit für eine Tasse Kaffee oder ein Abendvesper, bevor wir wieder nach Hause fuhren. Um ca. 20:15 Uhr kamen wir voller Eindrücke zurück nach Mögeldorf. Ein interessanter, mit schönen Eindrücken gefüllter Tag lag hinter uns. Vielleicht ging es einigen Mitfahrern wie mir: Ich hatte das Gefühl einen schönen Herbsttag mit neuen Erkenntnissen verbracht zu haben, aber ich war auch herzlich müde ...

 

Text: Ute Köhler, Fotos: Edith Link

 

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Letzte Änderung: 16.02.2014